Sommer 2017

Liebe Freunde,

Die Franzosen sagen:  „Verlassen ist ein bisschen wie sterben“. Trotzdem ist es aber immer noch besser, etwas zu verlassen als zu sterben. Es ist ein wenig so, als würde man auf seine eigene Beerdigung gehen und  die Worte des Lobes und Dankes genießen, die am Grab gesagt werden. Trotzdem würde ich lieber nicht weggehen.
Das Abschiedsfest war aufwendig und mit viel Arbeit verbunden;  an fast jedem Tag trafen wir uns dort, wo ich einmal so viel gearbeitet habe. Ich konnte die tiefgreifenden Veränderungen sehen, die unsere Arbeit bewirkt hat. Denkt einfach daran, wie wir die Gemeinde aufgebaut haben. Am Anfang war es ein unterentwickelter, armer Teil dieser Stadt – eine graue Masse von unzugänglichen Slums mit topographischen Namen, die ihren Ursprung in früheren Wasserstellen hatten. Daraus wurde im Laufe der Jahre eine Gemeinde mit Häusern, Straßen und Plätzen mit Namen, die wir ihnen gegeben und Strukturen, die wir aufgebaut haben.  Es macht mich stolz, wenn ich diese Strukturen heute sehe.

Unser Gesundheitsprogramm z.B. hat sich gewaltig vergrößert. Vor einiger Zeit haben wir einmal die Jahresergebnisse festgehalten. Schaut nur, was wir im Jahr 2012 erreichen konnten:

HIV Programm                 – 5053 Personen wurden getestet und beraten

Schüler                           – 11000 Schüler wurden bei uns unterrichtet

Welt-AIDS-Tag                 – mit 1500 Personen haben wir teilgenommen

HIV Pflege                      – im Rahmen dieses Programms betreuten wir 5046 Personen

– darunter 700 Kinder

– notwendige Medikamente wurden kostenlos abgegeben

Tagesklinik                      – 9113 Menschen konnten behandelt werden

Ernährung/Geburtshilfe      – 2317 Babys wurden betreut

Hausbesuche                   – insgesamt 5788 Hausbesuche bei 497 Patienten

INFO-Zentrum                  – computergestützte Informationen- zugänglich für alle

Hygiene / Wasser             – öffentliche Hygieneeinrichtungen und entsprechende Infos
führten zur Verminderung von Krankheiten um 22 %.

Denkt daran:  Das sind keine trockenen Zahlen – es geht hier um Menschen !

Und es gibt noch viel mehr Programme:

BILDUNG

Zwei Vorschulen, zwei Berufsschulen, eine nicht-formale Schule für arme Kinder, eine Kunstschule, ein Ort, wo man den Umgang mit Computern lernen kann. In diesem Frühjahr haben 50 junge Menschen bei uns die Berufsschule erfolgreich abgeschlossen. Vor dreißig Jahren haben wir diese Schulen für Mädchen eingerichtet, die kein Geld hatten, um die Sekundarstufe zu besuchen – für sie gab es damals nur die Aussicht auf schlecht bezahlte Arbeit. Ihr hättet die Mädchen jetzt sehen sollen, als sie ihren Abschluss gemacht haben: hübsche Mädchen, die zuversichtlich in die Zukunft schauen.

GEFÄHRDETE KINDER
Wir betreuen gefährdete Kinder in den Bereichen

  • Rehabilitation der Straßenkinder
  • Arbeit im Jugendgefängnis
  • Unterstützung traumatisierter Schulkinder
  • Umsetzung der Kinderrechte

 

OMA PROJEKT

Ich kann nicht umhin, immer wieder auf unser Wakonyu Oma Projekt hinzuweisen; mit diesem Projekt unterstützen wir Familien, die Aidswaisen zu sich genommen haben. Alle Mitglieder dieser Familien werden durch unser Projekt krankenversichert. Nun verlangt die Regierung, dass diese Familien ein offizielles Schreiben von Foster Care  unterzeichnen.

Ursprünglich hatten wir  600 Waisen in diesem Projekt aufgenommen; für 400 von ihnen wurde diese Angelegenheit zwischenzeitlich auch geregelt. Zwischenzeitlich allerdings ist die Anzahl der Kinder, die durch das „OMA-Projekt“ unterstützt werden, auf 1200 gestiegen – es handelt sich um Kinder aus mehr als 20 verschiedenen Gemeinden und Glaubensgemeinschaften. Letzte Neuigkeit:  die Versicherungsleistung wurde noch weiter verbessert – alle versicherten Kinder können nun kostenlos behandelt werden.

DAS PERSONAL

Die Verantwortung für Personalangelegenheiten habe ich bereits vor 15 Jahren abgegeben, obwohl ich immer noch in vielerlei Hinsicht involviert war. Nun trägt Sr. Bernadette bereits seit 10 Jahren die Verantwortung. Sie ist eine Inspiration für unsere mehr als 50 bezahlten Mitarbeiter und die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer. Ihr Umgang mit den Spendern ist perfekt – das ist äußerst wichtig, denn wir haben immerhin ein Jahresbudget von ca. Euro 530.000,00.

Manche Europäer sind der Ansicht, dass es nun an der Zeit ist, dass die Einheimischen das alles hier selbst bezahlen sollen; aber sie vergessen dabei, dass Dinge wie Schule, Gesundheit etc. in ihrer Heimat oft durch den Staat bezahlt oder zumindest subventioniert werden. Im Umkehrschluss heißt das, dass durch Eure Spenden das finanziert wird, was bei Euch in Europa durch den Staat geregelt wird.

Wie wird KUAP ohne mich weiter gehen? Die großen Spenden werden sicherlich weiterhin fließen, denn diese Spender kennen mich nicht, verbinden also mit Ihren Spenden keine persönlichen Beziehungen zu mir. Soweit es meine Freunde betrifft, hoffe ich sehr, dass sie etwas Lebendiges nach Pandipieri gebracht haben – etwas, das weiter wächst und sich entwickelt. Zu ihnen gibt es wichtige persönliche Kontakte, die der Grundstein für gegenseitige  Verantwortung und Inspiration sind. Wir haben ein Geflecht aus menschlichen Talenten und Möglichkeiten gewebt  – dieses Netz aus menschlicher Solidarität ist für mich das Reich Gottes – ein Feuer, dass bereits unter uns gegenwärtig ist und immer wieder entfacht werden muss. Wir müssen darüber nachdenken und sprechen, in welcher Form wir das tun können.

 

Mit der KLM (niederländische Fluggesellschaft „Royal Dutsch Airline“) bin sich sicher in Holland gelandet. Meine neue Heimat ist nun Missihuis Vrijland, Johannhoeve 2, 6861 WJ, Oosterbeek – Zimmer Nor. 107.

Ihr könnt mich wie folgt erreichen:

E-Mail          hansburgman@jozefmhm.nl.

Mobil           0645975989

Festnetz       026 3398107

 

Was meine Mobilität betrifft:  Ich habe zwei Gehstöcke, einen Rollator, einen Rollstuhl und immer einen Platz in den vielen Autos meiner Freunde.

Bis wir uns wieder sehen

Hans Burgman

 

 

„Wenn Du nie das Unmögliche versuchst,

wirst Du nie ein Wunder bewirken“

Winter 2016

Ein paar Zeilen von Hans

 

Tag für Tag schreiben die Zeitungen Berichte über die riesigen Mengen an öffentlichen Geldern, die in den Taschen „wichtiger“ Leute verschwinden. Wir sprechen von Milliarden kenianischer Schillinge – es wird immer schlimmer und niemand weiß, was man dagegen tun kann. Schlimmer noch – jeder scheint ein Stück vom Kuchen haben zu wollen. Ich denke, dass die Ursachen hierfür tief verborgen in den kulturellen Traditionen verwurzelt sind. Das alles erinnert mich an die vielen Erdbeben in Italien, die immer und immer wieder geschehen, weil tief in der Erde die tektonischen Platten aufeinander prallen und die Beben auslösen. Vielleicht gibt es auch starre Reste alter Kulturen tief in unseren kontinentalen Gesellschaften, die beim Aufeinandertreffen mit der heutigen Kultur solche chaotischen Verhältnisse hervorrufen. Lasst uns ein wenig darüber nachdenken !

Vor Jahrhunderten herrschte überall auf der Welt und in allen Kulturen die Gewalt; Gewalt, wie wir sie von der Natur her kennen, wo die Stärkeren über die Schwachen herrschen. Schwache Menschen konnten in dieser Welt nur mit List und Betrug überleben. War Betrug vielleicht die älteste Form der Weisheit ? Schwache konnten ihre Macht nur dadurch verstärken, wenn sie sich mit anderen zusammen taten. Eine ganz typische Form dieser Zusammenarbeit war die Gesetzgebung und die Umsetzung der Gesetze. Manche Menschen trauern diesen alten „Gesetzen des Dschungels“ – dem Recht des Stärkeren – noch immer nach. Es verschafft ihnen eine gewisse Befriedigung Gesetze zu brechen, der
Strafe aber zu entgehen. Hier in Kenia besteht der Umgang mit Krisen im Wesentlichen darin, neue Gesetze auf dem Papier zu schaffen – und sie dann zu ignorieren !

Eine spätere Kultur war die der Jäger und Sammler: Pflanzen und Tiere, die nicht bewacht waren gehörten früher dem, der sie gefunden hatte. Suchen und Fangen bedeutete Spaß und Glück. Noch heute gibt es Reste dieser Kultur. Denkt nur an die heutigen Jäger und Fischer. Von Zeit zu Zeit wird auch hier unangemessenes Verhalten an den Tag gelegt. Es fasziniert mich immer wieder zu sehen, in welchen Rausch die Menschen verfallen, wenn es etwas kostenlos gibt – selbst dann, wenn es an sich wertlos ist. Aber was passiert eigentlich, wenn z.B. ein Tankschiff havariert ?

 

Keine Macht der Erde kann die Öffentlichkeit davon abhalten, das ausgelaufene Öl in Eimern und Töpfen zu sammeln – selbst wenn es am Ende explodiert und hunderte Menschen umbringt. Wir alle wissen, dass es in Kenia gängige Praxis ist, bewusstlose Verkehrsopfer auszurauben. Mehr noch: bei einem Aufruhr oder dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung beginnen die Menschen hier unweigerlich, die Geschäfte zu plündern. Sie können der Versuchung nicht widerstehen, Dinge zu nehmen, die sie eigentlich gar nicht brauchen. Früher war ich 20 Jahre lange Gefängniskaplan und es erstaunte mich immer wieder, wie wenig die Menschen darüber nachdachten, dass sie z.B. wegen einer lumpigen Summe vielleicht ihren Job verlieren können. Aber – wenn Geld unbewacht ist, scheint es, als ob sich viele Menschen dazu verpflichtet fühlen, dieses Geld einfach an sich zu nehmen.

Wenn sich hierbei also um eine kulturelle Neigungen handelt, ist es sicher schwierig, diese zu beseitigen. Manche denken, dass alles sei auf die Armut zurückzuführen; aber das ist naiv ! Geld wird nicht helfen, sondern die Situation eher verschlimmern. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, Finanztransaktionen transparenter zu machen, indem man solche Transaktionen schriftlich festhält Aber das ist ein harter Weg voller Hindernisse. Denn die Menschen hier leben in einer Kultur, in der alles besprochen wird, man von Papier aber eher wenig hält. Außerdem kann man auch auf dem Papier betrügen.

 

Meiner Meinung nach kann nur eine Veränderung des Verhaltens helfen. Das Herz dieser Veränderungaber ist die Freundschaft, denn Freundschaft und Betrug passen nicht zueinander. Die Freude an einer Freundschaft ist um so vieles größer als die Befriedigung, die man durch List und Unehrlichkeit erfahren kann. Hilfe sollte im Rahmen einer persönlichen Freundschaft erfolgen; einer Freundschaft zwischen Menschen, die miteinander teilen, weil sie füreinander sorgen.

Das alles hat auch damit zu tun, wie wir unser Besucherprogramm in letzter Zeit organisiert haben. Wichtigster Aspekt ist die Tatsache, dass unsere Besucher während ihres Aufenthaltes hier in normalen Familien in Kisumu leben. Dieser Zugang zur Intimität in einfachen afrikanischen Häusern hinterlässt einen tiefen Eindruck bei unseren Gästen und bei den Gastfamilien. Es wird jetzt auch klar, dass KUAP / Pandipieri die einzige Organisation ist, die so etwas anbietet. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, dieses Abenteuer auch in 2017 wieder zu wagen – wir erwarten eine Gruppe von ca. 20 Besuchern – sagen wir: fünf von unseren Freunden aus Kerzell, fünf aus Bergeijk und zehn aus Holland.
Termin ist Ende Juni / Anfang Juli – ca. zwei Wochen insgesamt.

Agenda: Besuch der Pandipieri-Projekte (3 Tage)
Besuch in den bäuerlichen Häusern der Gastgeber
Bootsfahrt auf dem See, um die Hippos zu sehen
Sponsorenlauf zu den Hügeln (OMA-Projekt)

 

Wenn Ihr mehr wissen wollt oder teilnehmen wollt, schickt eine Nachricht an Marie-José Burgman oder an mich.

Noch ein Wort zur zerstörerischen Gewalt der Korruption. Sicher wird unser Besuchsprogramm keine wundersame Heilung bewirken; aber es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Und es ist ein Zeichen für normale Menschen, dass freundliche Begegnungen eine Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft sind.
Hans Burgman

Winter 2013

HANS SCHREIBT

 

In meinen Gedanken sind noch immer die Erinnerungen an die Feierlichkeiten zu meinem 60-jährigen Priesterjubiläum. Es war mir erlaubt, zusammen mit so vielen Freunden einen Blick auf ein Leben voller missionarischer Abenteuer zu werfen und mich daran zu erinnern, welch ein Segen die manchmal ungewöhnlichen Dinge, die wir taten, für viele Menschen hatten: das hat mich tief berührt. Es war eine Freude, so viele alte Freunde zu sehen! Viele haben mir geschrieben, viele von Euch haben mir etwas in die Hand gedrückt; Eure Glückwünsche liegen hier neben mir auf dem Tisch und ich lese sie immer wieder. Ich kann nicht jeden Brief einzeln beantworten – aber seid versichert: Ich denke an Euch.

Unvergesslich wird mir der Besuch von 25 Freunden und Verwandten in Kisumu bleiben: insbesondere unvergesslich für die Menschen hier. Nun sind wir wieder zurück in der Normalität: lasst mich ein wenig über die jüngsten Entwicklungen erzählen.

Anfang 2013 erinnerten wir uns daran, dass unsere Mill Hill Missionsgemeinschaft bald ihr 150. Bestehen feiern kann; wir wurden gefragt, ob wir Vorschläge für die Feierlichkeiten haben – und ich hatte eine: Im Jahr 2000 wurde unser amerikanischer Mill Hill Missionar John Kaiser hier in Kenia ermordet, der sich immer mit korrupten Politikern angelegt hatte, weil diese völkerrechtliche Verbrechen begingen und Mädchen vergewaltigten. Ich dachte mir, dass diese Geschehnisse eine gute Vorlage für ein Musical sein könnten und schrieb innerhalb einiger Monate die Textvorlage dafür. Ich bin schon neugierig, ob man die Leute in unserer Zentrale etwas damit anfangen können.

Mill Hill hat sich verändert in diesen letzten 150 Jahren. Vor langer Zeit waren wir eine Gruppe weißer Priester aus Nordeuropa, die – unterstützt von Brüdern – in arme „Heidenländer“ zogen, um die Menschen dort aus ihrem Elend zu befreien, in dem wir eine helfende Kirche gründeten. Heute sind wir eine Gruppe aus Europäern, Afrikanern, Indern, Malaien und Philippinos, die – inspiriert durch das Evangelium – hier zusammen für eine bessere Gesellschaft arbeiten, indem wir die Talente nutzen, die die unterschiedlichen Kulturen bieten. Für die Mill Hill Feier in Kenia habe ich auch vorgeschlagen, dass wir Referenten einladen: einen aus Afrika, der uns aufzeigt, was Afrika der Welt bieten kann, aber auch Referenten aus Indien, dem Fernen Osten, den Philippinen und Südamerika – jeder von ihnen sollte darüber sprechen, welchen Beitrag ihr Kontinent zum Weltgeschehen beitragen kann. Ich hoffe, dieser Vorschlag wird akzeptiert.

Mill Hill ist nicht das einzige, was sich in den letzten Jahren geändert hat: auch Pandipieri und KUAP unterliegen Veränderungen. Hier ein paar Beispiele: In nächster Nähe zu Pandipieri liegt Bala – auch dort unterhalten wir ein kleines Zentrum. Vor langer Zeit einmal hatten wir dort ein Gebäude für rehabilitierte Jungen errichtet, um sie auf das Leben in der Gesellschaft vorzubereiten. Das funktionierte aber nur eine gewisse Zeit. Danach wurde das Gebäude durch Vandalismus nahezu komplett zerstört. Vor einigen Jahren dann übergaben wir das Bala Zentrum an die neue Pfarrgemeinde Nanga, die von dem Priester Gerry Kraakman geleitet wird. In Zusammenarbeit mit dieser Gemeinde wurde das Gebäude wieder aufgebaut; heute ist es der Ort, wo die Beratungen für – insbesondere traumatisierte – Kinder aus den 25 Schulen in der Umgebung stattfinden.

Bisher fanden diese Beratungen im Magadi Zentrum statt; aber kürzlich hat der Erzbischof uns informiert, dass Magadi nun eine neue und eigenständige Pfarrgemeinde wird und das dortige Gebäude als Presbyterium gebraucht wird. Vorher gehörte Magadi zur St. James Gemeinde und hatte keinen eigenen Priester.

Eine sehr interessante Entwicklung ist unser OMA-Projekt. Ihr wisst, dass wir mit diesem Projekt die Krankenversicherung für Familien unterstützen, die AIDS-Waisen in ihre Familie aufgenommen haben. Bisher können wir 300 Familien auf diese Weise unterstützen – das heißt: wir zahlen die Versicherungsprämie für 300 Familien, in denen insgesamt 600 AIDS-Waisen leben. Diese Familien leben in 19 verschiedenen Glaubensgemeinschaften. Die Versicherungsgesellschaft hat sich sehr zuvorkommend gezeigt: nach den allgemeinen Vorschriften gilt diese Versicherung eigentlich nur für leibliche Kinder. Aber man hat eingewilligt, diese Versicherung auch für nicht leibliche bzw. angenommene Kinder zu gewähren. Die Versicherungsprämie ist niedrig – zusammen mit unseren Kosten für Verwaltung (Bestandsaufnahmen, Erstellung der entsprechenden Ausweise mit Foto, Zusammenarbeit mit den Ärzten, Krankenhäusern und Familien) kostet diese Versicherung 50,00 Euro pro Familie und Jahr.

Und jetzt kommt’s: Die Regierung will ein Gesetz erlassen, das verlangt, dass diese Waisen ganz offiziell adoptiert werden – vom Grundgedanken her eine gute Idee: einmal offiziell adoptiert, ist das Kind in der Familie später auch erbberechtigt. Es ist noch nicht klar, wie schnell sich das durch setzen kann; auf jeden Fall bedeutet es für uns viel Arbeit – die meisten dieser Kinder haben noch nicht einmal eine Geburtsurkunde. Und dann die Kosten: jede Adoption wird 3000 Shilling (ca. 30,00 Euro) kosten. Für die 600 Waisen, die derzeit in das Programm aufgenommen sind, bedeutet das Mehrkosten von Euro 18.000,00 Euro. Wichtig ist, dass wir zu den verschiedenen Glaubensgemeinschaften gute Kontakte pflegen und sie um Hilfe bitte können. Natürlich braucht das alles auch Zeit. Wichtiger aber ist: die Stellung dieser Waisen in Familie und Gesellschaft wird dadurch besser.

Und ja -es geht mir gut: Die Spritze, die ich noch in Holland wegen eines eingequetschten Nervs bekommen habe, zeigt gute Wirkung. Im Vergleich zu Europa tut mir das Wetter hier gut. Unsere Donnerstag-Bibelgruppe in Nyalenda macht mir Freude – genau wie die Freitagsgruppe „Modell zeichnen“. Sonntags spielen wir zusammen „sjoelbak“ und die restliche Zeit verbringe ich mit lesen und schreiben.

Ganz oft denke ich an Euch ! All‘ meine guten Wünsche und glückliche Feiertage.

 

Hans

Ostern 2013

HANS SCHREIBT

„Wie vielen Menschen wir helfen“

In Kenia beginnt das Schuljahr im Januar; also starten auch wir zu diesem Zeitpunkt mit unseren Programmen in ein neues Jahr. Ich möchte Euch einladen, mit mir zusammen die verschiedenen Aktivitäten zu betrachten, damit Ihr seht, wie viele Menschen wir mit den Pandipieri-Projekten unterstützen – Projekte, die sowohl Eure als auch unsere Projekte sind.

Beginnen wir mit dem Pandipieri-KINDERGARTEN, der im Jahr 1975 gegründet wurde. Er besteht aus drei Gruppen mit jeweils 25 Kindern. Der Spielplatz ist ein wenig klein, aber es gibt dort eine Rutsche, ein Karussell und eine große Wippe. Morgens bekommen die Kinder Brei – dafür müssen sie 450 KES zahlen – das sind Euro 4,50/Monat.

Das zweite Projekt ist das REHABILITATIONSPROGRAMM für die Straßenkinder aus dem Jahr 1980. Wenn ich richtig informiert bin, leben dort derzeit ungefähr 40 Jungen und Mädchen. Die Zusammenarbeit mit der nicht-formalen Schule, in der die Kinder zusammen mit armen Kindern aus der Nachbarschaft unterrichtet werden, ist sehr eng. Auch hierfür zahlt KUAP.

Um bei der Erziehung zu bleiben, besuchen wir jetzt die HAUSWIRTSCHAFTSSCHULE der Mädchen und die BERUFSSCHULEN in Nyalenda und Magadi, die es seit 1984 gibt. Dieses Projekt unterstützt in erster Linie Mädchen, die ihre Grundschulausbildung abgeschlossen aber kein Geld für einen weiteren Schulbesuch aufbringen können. Wir bieten für dies Mädchen Kurse an, in den sie Kenntnisse über Nähen, Kinderbetreuung,
Ernährung, Catering, Computerarbeit, Religion, die Bibel und Ethik erwerben können. Sogar das Mauern können die Mädchen hier lernen! Dieser ganze Kurs dauert zwei Jahre und es bedeutet jedes Jahr eine große Anstrengung, neue Mädchen für die Kurse zu finden, weil sie das alles erst einmal probieren müssen und Gebühren anfallen. Im Moment sind in Nyalenda 46 Mädchen, weitere 33 werden im Mörz dazu kommen. In Magadi sind etwas weniger Mädchen in diesen Kursen.

Gebührenübersicht:

– Jeder Schüler zahlt eine Jahresgebühr von 7.000 KES (70,00 Euro)
– Die Regierung zahlt 15.000 KES (150,00 Euro) dazu
– KUAP zahlt weitere 9.000 KEs (90,00 Euro) dazu

Daraus ergibt sich ein Jahresbetrag von 31.000 KES (310,00 Euro/Schüler

Dann gibt es noch die KUNSTAKADEMIE von Nyalenda; dort bieten wir 3-Jahres-Kurse für ca. ein Dutzend Studenten an. Die Kosten hierfür belaufen sich auf 10.000 KES (100,00 Euro)/Jahr.
PANDIGRAPHICS bietet Computerkurse für ein halbes Dutzend Studenten an.

 

Alles in allem leisten wir tagtäglich Erziehungs- und Ausbildungsarbeit für ungefähr 200 Kinder!

Schauen wir uns jetzt das gemeinschaftliche GESUNDHEITSPROGRAMM an, mit dem wir im Jahr 1983 begannen, aufgebaut von Jacinta van Luijk und jetzt unter der Leitung von Sr.Bernadette, die das Programm zu einem großen Unternehmen aus- und aufgebaut hat. Letzte Woche stellte ich dieses Programm einem Besucher vor. Die alte Halle war vollständig mit mehreren hundert Personen gefüllt – alles seropositive Menschen, die wegen Medizin oder medizinischer Ratschläge gekommen waren. Man sagte uns, dass jeden Tag so viele Menschen kommen. Die Menschen, die akut an AIDS erkrankt sind, werden von Betreuern bei sich zuhause versorgt. Im vergangenen Jahr erhielt Pandipieri von der Stadt Kisumu den Preis für beste AIDS-Klinik der Stadt!

Daneben gibt es noch die Klinik für die unterernährten Babies: davon gibt es eine in Pandipieri und eine in Magadi. Mehr als zwanzig junge Mütter kommen regelmäßig hierher. Es gibt außerdem noch die ganz normalen Krankenstationen in Pandipieri und Magadi; dort werden täglich ca. 30 Patienten versorgt.

Ca. 25 Schulen aus der Umgebung schicken traumatisierte Kinder in das Magadi Centre zur Beratung.

Wenn man das alles betrachtet, wir deutlich, dass wir jeden Tag Hunderten von kranken Menschen aus den Slums mit unseren Gesundheitsprogrammen helfen!

Früher – seit dem Jahr 1982 – unterhielten wir außerdem noch eine kleine Sparkasse und Kreditbank. Die Bank wurde immer größer, bis sie schließlich einige tausend Kunden hatte. Einige Jahre später aber wurde klar, dass wir dieses Projekt aus rechtlichen und finanziellen Gründen nicht mehr würden halten können und wir mussten das Projekt aufgeben. Ein großer Teil der Kunden war verloren und mit den wenigen, die noch übrig sind, müssen wir uns noch einigen.

In der vergangenen Woche haben externe Buchprüfer ihre Jahresberichte für das Jahr 2012 beendet; es wurde eine korrekte Buchführung bestätigt und wir sind darüber sehr glücklich.

Die Verantwortung für die KUAP-Leitung liegt nun in den Händen der irischen Schwester Bernadette; sie hat es geschafft, die Programme auch während des Krisenjahres 2010 am Laufen zu halten. Sr. Bernadette wird professionell unterstützt durch unseren sehr fähigen Buchhalter Eric und durch Chris Akun – ein Mann aus dem alten Pandipieri-Team.

Die große Neue Halle im Herzen Pandipieris ist nun fertig. Arbeiter bringen gerade noch die Dachrinnen an, die das Oberflächenwasser während der Regenzeiten vom Dach in einen großen unterirdischen Tank leiten. Gleichzeitig werden die Büroräume für die einzelnen Programme im oberen Stock der Neuen Halle eingerichtet. Die Vorrichtungen für die elektronische Kommunikation ist bereits vorhanden und der erste Kandidat – Chris Akun – hat die neuen Möglichkeiten bereits getestet. Sein Büro ist für die Verwaltung des Personals – immerhin mehr als 50 Personen – zuständig. Zu seinem Aufgabengebiet gehört auch die Planung und die Einteilung der Arbeiten.

Wir warten jetzt gespannt auf den Umzug der anderen Büros und jeder hier lobt die Neue Halle in den Himmel. Mittlerweile haben sie hier einstimmig entschieden, der Neuen Halle einen Namen zu geben – sie wird HANS BURGMAN HALLE heißen.

Aber die Zeit der Namensgebungen scheint noch nicht vorbei zu sein. Vor einigen Wochen wurde die Kantine des Pandipieri-Centers als neues Restaurant wieder eröffnet und der beste Namen, der ihnen einfiel, war BURGMAN RESTAURANT. Zu meiner Rechtfertigung muss ich sagen, dass ich den Schülern der Haushaltsschule beibrachte, wie man meinen Rotkohl- und Weißkohlsalat (mit viel Pfeffer) zubereitet. Der wurde dann in Glasgefäße gefüllt und ins Restaurant gebracht, damit jeder Gast einen Löffel des Salates zu seinem Menü bekommt. Jetzt spiele ich mit der Idee, ihnen mein Rezept für eigelegte Zwiebeln zu geben. Das ist übrigens der dritte Versuch, das Restaurant zu führen – die ersten beiden Versuche scheiterten. Kürzlich aber sah ich einen jungen Mann geschäftig mit Schüsseln voller Essen weglaufen, um das Essen zu liefern – das macht mir Hoffnung für diesen dritten Versuch. Wenn man den Radius der Essensauslieferung auf die Schulen in der Nachbarschaft und die vielen hungrigen Lehrer ausweiten könnte, wäre vielleicht die Nische gefunden, die das Restaurant überleben lässt.

Schließlich muss ich Euch noch vom OMA-Projekt berichten. Die Sekretärin Julie hat nun ein schönes neues Büro mitten im Pandipieri-Centre. Offiziell ist das kein KUAP-Projekt, aber es ist ein Projekt der Gemeinde St. Josph. OMA hat seinen eigenen Vorstand aber unser Eric von KUAP hat ein Auge auf dieses Projekt. Durch dieses Projekt erhalten mehr als 600 AIDS-Waisen eine Krankenhausversicherung und freie medizinische Behandlung. Darüber hinaus sind die 300 Familien, die Kinder adoptiert haben, ebenfalls versichert. Wir sprechen hier über mehr als 1000 Menschen, denen durch dieses Projekt eine Krankenversicherung ermöglicht wird!

 

Zusammenfassend muss man sagen, dass die Pandipieri-Programme mit den guten Beziehungen nach Übersee erstaunliche viele gute Dinge für viele Menschen in Kisumu leisten!

Letztendlich möchte ich noch einige Worte an die netten Menschen richten, die uns besucht haben. JOHAN SMORENBURG kam im Oktober und blieb drei Monate lang; er übernahm verschiedenen Aufgaben und war außerordentlich hilfreich in der Verwaltung des OMA-Projektes. Johan war ein sehr populärer Gast; alles interessierte ihn, er aß alles, fand Freunde und ging überall hin.

PAUL und CORA SNOEREN kamen im Januar und blieben für sechs Wochen; sie hatten schon vorher in Afrika – sogar in Nairobi -gearbeitet. Früher arbeiteten sie für Mill Hill – jetzt waren sie gekommen, um uns eine Zeit lang zu unterstützen. Das könnte eine interessante Perspektive für die Zukunft sein. Cora ist Krankenschwester – sie könnte also unsere Arbeit im Gesundheitsprogramm sofort und direkt unterstützen. Paul ist Ingenieur, der uns bereits technisch sehr unterstützt hat: z.B. bei der Einrichtung des Internetanschlusses, nachdem ein Mann diesen mit einer Hacke gekappt hatte. Paul hat auch schon für das OMA-Büro gearbeitet und die technischen Zeichnungen gemacht. Diese beiden waren unkomplizierte Gäste, die mit jedem sofort in Kontakt kamen und mit denen wir viele schöne Stunden verbrachten.

ROSWYDE BURGMAN und ihre Tochtger FREYA. Roswyde ist die Tochter meines Bruders Bert. Nach afrikanischen Standards ist sie damit auch meine Tochter und aus diesem Grund wurde sie ganz besonders herzlich hier empfangen. Die beiden waren über Weihnachten hier – insgesamt drei Wochen. Für sie war jede Kleinigkeit außergewöhnlich und interessant. Sie begleiteten uns ständig, wir feierten Weihnachten zusammen und machten Ferien bei Kizito. Es war schön, die beiden hier zu haben.
ESTHER JANMAAT ist die Tochter von alten Freunden aus meiner Roosendaal – Zeit. Sie arbeitet in der Filmbranche und nachdem sie einen Kurs in Tansania beendet hatte, kam sie mich für ein paar Tage besuchen. Sie fand unsere Projekte sehr interessant und machte Fotos während der Kurzbesuche in den einzelnen Projekten – vielleicht können wir die auf unserer Homepage veröffentlichen.

Gerade jetzt ist MARTIN NOTA für eine Woche lang zu Besuch; er hat seinen eigenen Plan und wird sich dafür Zeit nehmen.

Ich wünsche Euch schöne Ostertage

Hans Burgman

Winter 2012

HANS SCHREIBT

Liebe Freunde,

Freunde,
Im vergangenen Jahr hat uns ein spezielles Projekt sehr beschäftigt: jeder der Ärzte in Kisumu, die unser OMA-Projekt unterstützen, sollte ein gebrauchtes Set medizinischer Instrumente erhalten.
Wir fanden eine Organisation in Holland, die solche Geräte aus zweiter Hand anbietet und – dank großzügiger Freunde, die das nötige Geld für den Kauf der Geräte sammelten – konnten wir die Instrumente kaufen und packen; letztendlich erklärten sich dann einige Freunde von Jaap bereit, diese Geräte mit nach Kenia zu nehmen. In Pandipieri wurde dann alles sorgfältig ausgepackt und konnte schließlich am 1. November an die Ärzte verteilt werden. Es war eine schöne kleine Feier für all diejenigen, die für das OMA-Projekt (bei uns nennt man das WAKONYU) arbeiten. Nach einigen Ansprachen, Getränken, Keksen und Fotos wurde jedem der vier Ärzte der Koffer mit den Geräten überreicht. Dies war eine sehr bedeutende Geste, denn diese vier Ärzte haben sich bereit erklärt, Patienten nur für das Geld aus der Versicherung zu behandeln. Das ist sehr außergewöhnlich, weil die meisten Ärzte hier – zusätzlich zu dem Geld aus der Versicherung – noch einen hohen Betrag fordern.
Unsere Ärzte waren glücklich. Sicher – diese Instrumente sind sehr schön und decken folgende medizinischen Bereiche ab: Chirurgie, Gynäkologie, Geburtshilfe und Wundbehandlung. Sie sagten uns, dass die übergebenen Geräte einen Wert von Euro 4.000,00 – 5.000,00 haben. Ein interessanter Nebeneffekt: Die Versicherung zahlt um so mehr, je besser die Ausstattung des Arztes ist. Aufgrund dieser Situation erhöht sich auch die Versicherungsleistung an diese Ärzte. All denen, die uns bei der Umsetzung dieses Projektes unterstützt haben, sagen wir von ganzem Herzen „Danke“.
Ein weiteres großes Ereignis war die Übergabe der Gemeindehalle in Pandipieri. Während der letzten 10 jahre war diese Halle eine ständige Sorgenquelle: die Preise erhöhten sich um ca. 7 % / Jahr, Vorstandsmitglieder kamen und gingen, Versprechungen der Regierung wurden nicht eingehalten und es gab Probleme innerhalb unserer Verwaltung. Je länger sich der Bau der Halle hinzog, um so größer wurden die Probleme. Die einzige, die es schaffte, all dies wieder in vernünftige Bahnen zu lenken, war Sr. Bernadette; sie gewann Freunde, die sich um die Fertigstellung dieser schönen Halle kümmerten. Am 20. November war es dann soweit und die Schlüsselübergabe konnte erfolgen. Fr. Moses, der KUAP-Vorsitzende, nahm die Schlüssel entgegen und weihte die Halle für uns ein.
Die Böden sind gefliest; das Erdgeschoß bietet Raum für 200 Menschen; im ersten Stockwerk sollen Büros für die Verwaltung aller Pandipieri-Projekte ihren Platz finden; wenn alle Büros nahe beisammen sind, wird das die Effizienz der Arbeit steigern – außerdem werden durch den Umzug der Büros andere Räumlichkeiten frei: unser Gesundheitsprogramm hat bereits Verwendungsmöglichkeiten für diese freien Räume.
Im Oktober kam Johan Smorenburg – er bezog einen Raum in Nyalenda und fühlte sich dort sofort zuhause. In viele Dinge wurde er einbezogen: er reparierte die Zufahrtsstraße zum Pandipierizentrum, überwachte Korrekturen und Reparaturen am Gebäude der Magadi-Haushaltungsschule für Mädchen, stand zusammen mit Millymolly Modell für die Schüler der Kunstschule und – vor allem – organisierte er die Verwaltung des OMA/WAKONYO Projektes. Julie, das Mädchen, das in der Verwaltung dieses Projektes arbeitet, erhielt einen guten Laptop mit Drucker und konnte endlich einen Computerkurs machen. Dann half John ihr, die ganze Verwaltung ordentlich zu aufzubauen und zu strukturieren – auch die Finanzen. In diesem Bereich leistet er noch immer Unterstützung.
In Kisumu wird der Verkehr immer dichter und chaotischer; alle Fahrradfahrer fahren im Dunkeln ohne Licht, dafür aber so schnell wie möglich. Da dies auch alle anderen Verkehrsteilnehmer so machen, schnellt die Zahl der Verkehrsunfälle in die Höhe. Für Anfang Dezember hat die Regierung die Einführung drakonischer Straßenverkehrsvorschriften angekündigt: Ein Motorrad darf nur noch einen Passagier befördern, Gehwege dürfen nicht mehr befahren werden und Trunkenheit am Steuer wird bestraft. Strafen von einem Jahr Gefängnis und Geldstrafen in Höhe von umgerechnet Euro 1.000,00 wurden angekündigt, aber keiner glaubt, dass Verstöße gegen die neuen Vorschriften tatsächlich geahndet werden. Und genau dies ist das Problem mit den Gesetzen hier: es gibt viele gute Gesetze, aber keiner überwacht deren Einhaltung.
Das war’s für heute. Schaut Euch aber bitte genau an, was Euch dieser Newsletter über das große Ereignis 2013 mitteilt: Den Besuch unserer Freunde aus Holland und Deutschland in Kisumu – geplant für die erste Hälfte des Juli 2013.
Euch allen ein schönes Weihnachtsfest und Gottes Segen für das Jahr 2013

 

Viele Grüße

Hans

Sommer 2012

HANS SCHREIBT

Liebe Freunde,

Zuerst ein Wort über Kenia: Langsam kommt das Land voran, der Verkehr wird immer dichter. In Nairobi gibt es den ganzen Tag über Staus; soweit sind wir hier in Kisumu noch nicht – aber auch hier wird es so kommen. Alle lokalen Nachrichten befassen sich mit der Politik. Das Befremdliche daran ist, dass es gar keine Parteien gibt, die richtige Programme haben. Hier gibt es nur Politiker und deren persönliche Anhänger – das sind in erster Linie die Mitglieder ihres Stammes. Das Hauptziel der Politiker ist es, sicher zu stellen, dass nicht ein Mitglied eines anderen Stammes gewählt wird. Wenn man das sieht, ist es schwer zu glauben, dass Stammeskämpfe vermieden werden können, wenn im nächsten Jahr neu gewählt wird. Erschwerend kommt hinzu, dass sich drei der Präsidentschaftskandidaten derzeit vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verantworten müssen; aber sie tun so, als alles in Ordnung ist. Jeder fragt sich, wie die drei dieses Problem lösen werden – auf jeden Fall aber ist es aufregend.

Was mich betrifft, ist alles soweit in Ordnung. Ja – ich werde älter. Das Schöne daran ist, dass ich jetzt Dinge tun kann, für die ich früher nie Zeit hatte: Bücher lesen, schreiben – wenig arbeiten. Obwohl ich mich immer noch viel mit KUAP beschäftige, denn ich bin Mitglied im Vorstand und es gibt sehr viel zu tun hier in Pandipieri. Meine offizielle Stellung hier ist die eines Gründungsmitglieds und die eines Experten für Missionswissenschaften; aber da hier keiner weiß, was „Missionswissenschaft“ bedeutet, bezeichnet man mich einfach als einen Experten für Musik. Obwohl das nicht mehr so richtig wahr ist, seitdem ich aufgrund meiner Parkinson-Erkrankung aufhören musste, Flöte zu spielen – meine Lippen und Finger gehorchen mir eben nicht mehr.

Im Moment bin ich sehr mit unserer Kunstschule beschäftigt; dieses Projekt werde ich anlässlich des nächsten Treffens in Oosterbeek am 25. August vorstellen. Als nächstes werde ich ehemalige Studenten besuchen, um zu sehen, wie es ihnen geht und Fotos von ihnen und ihren Arbeiten zu machen. Dann ist es auch schon soweit, dass ich zu meinem jährlichen Heimaturlaub nach Europa aufbreche – von Mitte Juli bis Mitte Oktober werde ich in Europa sein.

Pandipieri hat die Schwierigkeiten der letzten Zeit gut überstanden. In 2010 hatten wir plötzlich eine mysteriöse Finanzkrise zu bewältigen. Mit der Hilfe von Frank Boomers fanden wir dann aber einen erstklassigen Buchhalter. Dank dieses Mannes – er heißt Eric – wurde schnell klar, was passiert war. Zehn Jahre zuvor hatten wir Pandipieri vollständig in afrikanische Hände gegeben. Das heißt, wir hatten einen Vorstand, dessen Mitglieder nahezu nichts über Pandipieri wußten. Alles, was diese Leute wußten, war, dass es sich hier um erfolgreiches Entwicklungsprojekt handelt, das von großzügigen Spendern aus Europa unterstützt wird. Sie begannen damit, das Projekt anders zu strukturieren – ähnlich der Struktur anderer Entwicklungsprojekte – mit dem Ziel, wirtschaftliche Verbesserungen zu erreichen. Das Ziel Pandipieris aber war und ist es, Verhaltensweisen zu verbessern.

So begann dieser neue Vorstand damit, alles größer zu machen: größere Gebäude, höhere Löhne, teure Experten – aber sie achteten immer weniger auf die Menschen, die hier lebten. Gleichzeitig setzte sich ein anderer Prozess in Gang: die Spendenbereitschaft unserer europäischen Freunde sank. Aus der Kombination dieser beiden Tatsachen entstanden große Probleme, der man mit der hier üblichen „Weisheit“ begegnete , indem man ein Loch stopfte, indem man ein noch größeres Loch grub – alles in der Hoffnung, dass sich die Probleme mit der Zeit schon irgendwie von alleine lösen würden. Eine unfähige Verwaltung machte dies alles erst möglich.

Wenn so etwas passiert, bedeutet das oft das Ende der betroffenen Projekte; aber ich glaube, wir haben Sturm überstanden. Mit Hilfe von Eric und Sr. Bernadette wurde die Verwaltung verbessert und die Dinge sind nun unter Kontrolle. Die Angestelltenzahl wurde von 100 auf nun 50 Leute reduziert und die Programme wurden etwas reduziert. Daneben gibt es aber auch neue Programme – z.B. das Programm für Kinderrechte. Mit diesem Programm erreichen wir 25 Schulen und helfen Kindern, die durch Raub, Vergewaltigung oder den Tod ihrer Eltern in Schwierigkeiten geraten sind. Wir helfen
ihnen durch Beratung und mit Therapieangeboten. Außerdem hat sich der Teamgeist bei den Angestellten hier in Pandipieri gebessert. Zweimal/Monat organisieren wir hier Treffen, in denen ich bisher schon 10 Vorträge über die katholische Soziallehre hielt, die im Wesentlichen auch meine eigene Philosophie ist. Die Menschen fanden diese Vorträge so gut, dass wir uns dazu entschieden, abwechselnd jedes einzelne Programm in der gleichen Weise zu erklären und vorzustellen

Das gibt mir die Gelegenheit, ein wenig mehr über Sr. Bernadette zu erzählen. Sie stammt aus Irland und gehört dem Orden der Mill Hill Schwestern an. Als Jacinta in 1998 Pandipieri verließ, übernahm Sr. Bernadett die Leitung der Pandipieri-Gesundheitsprogramme; unter ihrer Leitung entwickelten sich viele kleinere Programme. Die Behörden stuften Pandipieri als eine der offiziellen Adressen in Kisumu ein, wo Menschen kostenlose Beratung erhalten und sich AIDS-Tests unterziehen können. Das Gesundheitsprogramm entwickelte sich prächtig und benötigte bald mehr Raum für die AIDS Klinik und die medizinische Betreuung. Bernadette hat eine ganz besondere Gabe, mit Spendengeldern umzugehen und ihren Bemühungen um eine finanzielle Basis machte unser Gesundheitsprogramm sicherer. Als in 2010 die Krise begann und das Management entlassen werden musste, trug sie eine ungeheure Last auf ihren Schultern. Alle notwendigen Verbesserungsmaßnahmen wurden unter ihrer Leitung durchgeführt. Sie schaffte es, viele Spender zu halten und neue zu gewinnen. Monatelang musste auch sie mit Enttäuschungen kämpfen – aber sie gab nie auf, obwohl sie viele schlaflose Nächte hatte. Sie sagt immer wieder, dass es die guten Programme Pandipieris sind, für die es sich lohnt, durchzuhalten und weiter zu kämpfen. Klein von Gestalt und unauffällig in ihrer Art wurde sie in diesen schweren Zeiten geradezu zu einem Giganten, dem Pandipieri viel schuldet. Deshalb ware wir alle sehr froh, als wir hörten, dass die städtischen Behörden sie für den jährlichen Preis ausgewählt haben, den die Stadt für das beste Programm zur Bekämpfung des AIDS-Problems vergibt. Letzte Woche reiste sie nach Irland – während ihrer Abwesenheit wachen Eric und Vater Michael Ochwo (Leiter des Mill Hill Klosters) über Pandipieri. Michael Ochwo ist gleichzeitig auch KUAP-Vorsitzender. Er schätzt die Arbeit der KUAP und ist in regelmäßigem Kontakt mit Eric.

Vor dreißig Jahren gründeten wir mit ganz kleinen Ersparnissen eine Kreditbank; durch Fehlentscheidungen und schlechte Verwaltungen haben wir Verluste erlitten. Es ist klar, dass dies der Ausgangs- und Mittelpunkt der Krise war. Heute gibt es weitere kleine Banken, wo die kleinen Leute hier ihre geringen Ersparnisse deponieren können – damit ist für uns auch der Zeitpunkt gekommen, an dem wir unsere eigene Bank schließen können. Um genau zu sein: wir müssen die Bank schließen; denn es gibt nun neue Gesetze, die unsere Pandipieribank als illegal einstufen. Sobald die Freunde, die uns Gelder versprochen haben, dies auch tun, werden wir unsere Bank schließen.

Auch mit dem Bau der Pandipieri-Halle können wir weitermachen; während der Krise waren alle Arbeiten gestoppt. Sobald die Halle fertig ist, kann die Gemeinde hier ihre Veranstaltungen organisieren. Die obere Etage wird eine spezielle Funktion haben – dort werden alle Verwaltungsbüros zusammen auf einer Ebene untergebracht sein, sodass wir deren bisherige Büros für das Gesundheitsprogramm nutzen können.

Das OMA-Programm entwickelt sich sehr gut; die website ist fast fertig (www.wakonyu.org). Die Wolken, die sich über der Versicherung (Kenyan Health Insurance) zusammengebraut hatten, haben sich – zumindest für den Moment – verzogen. Und unsere Freunde aus Holland haben uns zugesichert, dass sie für uns einge
chirugische Instrumente besorgen können – das wird unseren Ärzten hier helfen.

Bisher konnten wir mit dem OMA-Programm 350 AIDS-Waisen unterstützen – das ist einen Applaus wert.

So blicken wir also mit erhobenem Kopf in die Zukunft. Wir sind tief dankbar für unsere Freunde, die uns in den vergangenen schweren Zeiten unterstützt haben. Wir alle haben einen großartigen Job gemacht und wir werden noch mehr tun.

Viele Grüße von uns allen hier in Pandipieri KUAP.

 

Viele Grüße

Hans

Ostern 2012

HANS SCHREIBT

Liebe Freunde,

Das neue Jahr ist schon gar nicht mehr so neu; auch Pandipieri hat den
Jahreswechsel gut überstanden. Ich selbst hatte einige Probleme. Ich habe die
Ehre, jetzt schon 83 Jahre alt und immer noch am Leben zu sein; aber das hat
seinen Preis: Ein bißchen Diabetes, ein bißchen Parkinson. Während unseres
jährlichen Campings bei Kizito, habe ich mir eine üble Kehlkopfentzündung
zugezogen. Anscheinend war ich gegen die Antibiotika, die man mir gab, allergisch
und bekam einen Ausschlag und Fieber. Man brachte mich zu dem teuren Aga Khan
Krankenhaus, wo man mich fünf Tage lang behandelte. Ihr könnt Euch vorstellen,
dass das meiner Rente gar nicht gut bekommen ist. Wieder zuhause, ergaben sich
weitere Komplikationen – war zwar „falscher Alarm“, aber man gab mir noch mehr
Pillen. Ein Besuch bei meinem Neurologen in Nairobi zeigte aber, dass alles in Ordnung war.
Millymolly bat darum, den Arzt in Nairobi aufzusuchen. Zwei Jahre zuvor war sie in das
Register der Personen mit physischen Beinträchtigungen aufgenommen worden:
Das bringt zum Beispiel Vorteile bei Bewerbungen (Regierungsinstitutionen müssen
zu einem bestimmten Prozentsatz Arbeitsplätze an körperlich Behinderte vergeben).
Mehrfach war deshalb vorstellig – umsonst: jedes Mal hatten sie Dokumente verlegt
und konnten sie nicht finden. Millymolly versuchte es nun erneut – dieses Mal mit Erfolg.
Nun hat sie bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Früher lebte das komplette Team in unseren Zentren – z.B. in Pandipieri; das zeigte
den Idealismus des Teams. Mit der Afrikanisierung vor ca. zehn Jahren änderten sich
die Dinge. Wir suchten gangbare Wege, um das Team in die Pflicht zu nehmen – wir
waren jetzt eine kirchliche Einrichtung innerhalb des Staates. Nur gelegentlich schafften
wir es, eine Eucharistie zu feiern. Zu all dem kam hinzu, dass das Interesse für die
traditionellen kirchlichen Werte immer mehr verloren gingen. Glücklicherweise gewann
die soziale Glaubenslehre – basierend auf dem Evangelium – an Bedeutung. Das könnte
eine neue Quelle der apostolischen Inspiration sein.

Ich habe mich in den letzten Jahren intensiv mit diesem Thema beschäftigt und letztlich
Seminarunterlagen dazu erstellt. Zuerst gab ich diese Unterlagen vor einigen Jahren einer
Gruppe junger Leute nach Holland mit. Sie sind für Mission and Youth tätig und treffen sich
alle vierzehn Tage. Danach bot ich dieses Seminar KUAP für die Angestellten an. Sie
waren damit einverstanden und nun treffen wir uns freitags nachmittags alle zwei Wochen.
Ich möchte, dass diese Treffen eine schöne Veranstaltung sind, in der alle Fragen
besprochen werden können – das sollte den Teamgeist stärken. Vielleicht interessieren
Euch die Inhalte meines Seminars ja auch – die Bekämpfung des zügellosen Kapitalismus
und der Korruption, Individualismus und Diktatur.

 

Das Seminar fundiert auf fünf Säulen:

1. Unsere Welt ist eine Welt der Menschen, nicht des Geldes oder des Besitzes
Hier stelle ich meine Philosophie darüber vor, dass der Mensch drei Dimensionen
hat: Arbeit (Hände), Wissen (Kopf) und Liebe (Herz).
Das Christentum kann eine weitere interessante Dimension bieten: Wunder, die
man erarbeitet, Wissen, das man sich erwirbt und Liebe, die man schenkt

 

2. Menschen sind Teil eines großen Ganzen. Sie sind nicht allein und ihr Leben
ist von Bedeutung für das große Ganze. Hier spreche ich von Kultur und Religion
und davon, wie sie sich gegenseitig ergänzen. Das Christentum muss als eine
Bewegung präsentiert werden – eine Bewegung, die die besten Eigenschaften
von Kultur und Religion zum Vorschein bringen kann.

 

3. Jeder Mensch hat die Verantwortung für sein Leben und damit auch für die
gesamte Menschheit. Wir sprechen von individuellen Initiativen, wir wollen
passive Resignation vermeiden und den Schutz unserer Umwelt voranbringen.
Das Christentum hat den Anspruch persönlichen Engagements, insbesondere,
was den Kampf gegen die Korruption angeht.

 

4. Alle Menschen sind gleich
In diesem Teil des Seminars beschäftigen wir uns mit den Menschenrechten.
Historisch gesehen ist das Christentum die Wiege der Menschenrechte. Diesen
Anspruch müssen wir zurück erobern.

 

5. Untergeordnetes hat – nach dem Subsidiartätsprinzip – Vorrechte.
Wachstum beginnt im Kleinen und steigert sich. Eine höhere Autorität sollte nicht
das tun, was eine untergeordnete Person/Einrichtung tun kann. Das sollte das
Herzstück des Christentums sein – wenn das nicht der Fall ist, müssen wir
darum kämpfen.

 

Zur Zeit der Afrikanisierung KUAPs vor zehn Jahren wurde Pater John Oballa vom
Erzbischof zum Vorsitzenden der KUAP berufen – er wurde damit zu meinem Nachfolger.
Er war unser Stellverteter in der Diözese – ein sehr fähiger Mann. John Oballa war bis
Januar 2010 in dieser Funktion tätig und wurde von allen respektiert. Als er plötzlich ging,
geriet KUAP in Schwierigkeiten, da gleichzeitig auch der stellvertretende Vorsitzende ging
– Pater Fons Eppink. Deren Nachfolger, Pater Moses Omolo (neuer Stellvertreter) und
Pater Michael Ochwo (Mill Hill) mussten von vorne anfangen. Und dann kam die große Krise.
Einige Wochen später erfuhren wir dann, dass John Oballa zum Bischof von Ngong ernannt
worden war – als Nachfolger für Cor Schilder. One up for KUAP.

Das OMA-Projekt entwickelt sich; es erhält nicht nur mehr Unterstützung sondern hat auch
seine Struktur verbessert. In Holland gibt es dazu aussagekräftige Unterlagen. Darin
erfahrt Ihr mehr über das Projekt und über unsere Anstrengungen, gebrauchte chirurgische
Geräte aus Holland für „unsere“ Ärzte zu bekommen. In Kisumu haben wir ein neues
Bankkonto eröffnet und auch eine neue Homepage. Das wird es sicher einfacher machen,
mehr Unterstützung hier vor Ort zu bekommen: Man wird immer zuerst nach der
Kontoverbindung und nach der Webiste gefragt.

In einem meiner früheren Briefe erzählte ich Euch von Helida, deren Nieren versagt hatten
und die deshalb auf die teuere Dialyse angewiesen war, die sie sich aber nicht leisten
konnte. Zu unser aller Überraschung ist sie nicht gestorben, sondern sie hat sich sogar
wunderbar erholt. Gelegentlich nur kann sie zur Dialyse und bei meinen wöchentlichen
Besuchen habe ich mich bisher noch nicht getraut, sie zu fragen, wer dafür zahlt. Ich
glaube, dass ein Schlangenbiss das Nierenversagen ausgelöst. Nun scheint sie auf dem
Weg der Besserung zu sein.

 

Viele Grüße

Hans

Ostern 2011

HANS SCHREIBT AN SEINE FREUNDE

Liebe Freunde,

Trotz der Probleme in der kürzeren Vergangenheit entwickelt sich Pandipier sehr gut – es wird hier großartige Arbeit geleistet, was nicht heißt, dass uns diese Probleme nicht Tag und Nacht beschäftigen. Auf der einen Seite ist ihre Ursache im globalen finanziellen Umfeld zu suchen; dadurch verteuert sich vieles und das Spendenaufkommen verringert sich. Auf der anderen Seite kämpfen wir noch mit Auswirkungen der Fehler der vorherigen Verwaltung Pandipieris; diese Fehler haben Pandipieri in eine tiefe finanzielle Krise gestürzt. Mit einer nahezu übermenschlichen Anstrengung hält Sr. Bernadette – eine Mill Hill Schwester aus Irland – alles hier am Laufen. Das ist eine beachtliche Leistung in einem Land, in dem nahezu alles aus den Fugen gerät. Sr. Bernadette kann auf die große Unterstützung ihrer Gemeinde hier zählen; viele Gemeindemitglieder helfen dabei, Pandipieri wieder nach vorne zu bringen. Mache Mitarbeiter sind sogar bereit, für eine Weile ohne Lohn zu arbeiten. Wo um alles in der Welt gibt es das sonst noch? Ich möchte auch noch das „Notkommittee“ unserer Freunde aus Holland erwähnen, die alles Erdenkliche tun, um die Strukturen Pandipieris zu bessern und weniger anfällig zu gestalten – die Arbeit daran geht weiter.

Die Arbeit in der „Girls Domestic School“ (Haushaltsschule für die Mädchen) geht unvermindert weiter. Als wir noch vor 10 Jahren die Entwicklung unserer Programme kritsch betrachteten, regten Berater an, als neuen offizellen Namen “ Vocational Training“ (Berufliche Ausbildung); aber das Pandipieriteam mochte diesen Namen nicht. Ursprünglich begann Sr. Ruth mit einem Kurs für Mädchen, die aus finanziellen Gründen nicht zur Schule gehen konnten; in diesem Kurs konnten die Mädchen ihre eigene Persönlichkeit entwickeln und stärken. Der Lehrplan bestand damals aus allen Fächern, in denen die Mädchen gerne unterrichtet werden wollten. Heute aber leben wir in einer Zeit, in der wirtschaftlichen Aspekte zur Religion geworden sind. Als die Schule im vergangenen Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feierte, sagte der Erzbischof zu den Schulabgängern: „Willkommen auf dem Arbeitsmarkt“. – Persönliche Entwicklung ? Was ist das denn …………. ?

Wir müssen zugeben, dass die Vorstellungen unserer Berater aus Nairobi auch ihre Vorteile haben. Das zeigte sich im letzten Jahr, als die „Girls Domestic School“ (wir lieben diesen Namen) Unterstützung durch die Regierung erhielten, weil es sich dabei um eine berufliche Ausbildung handelte. Es gibt ein Programm der Regierung, nachdem jeder Schüler mit jährlich 15.000 ken. Schillingen (ca. Euro 150,00) unterstützt wird. Das ist eine enorme Hilfe! Als im Februar die Zeugnisse ausgehändigt wurden (darüber schreibt Sr. Bernadette einen eigenen Artikel), sicherte ein Regierungsvertreter diese Unterstützung zu, solange die Schule bestimmte Bedingungen erfüllt. Unsere Gebäude sind in einem hervorragenden Zustand; auch in Nyalenda gibt es ein neues Gebäude, das wir mit Hilfe der Spender aus Holland errichten konnten. Dieses Gebäude ist für uns sehr wichtig und dient uns auch als Gemeinschaftshaus. Allerdings fühlte sich das Management nach diesem Erfolg – offensichtlich von einem gefährlichen Optimismus – soweit inspiriert, dass man der Meinung war, in Magadi ein ähnliches Gebäude errichten zu können – und zwar ohne jegliche finanzielle Absicherung – da war wohl mehr der Wunsch Vater des Gedankens. Eine solche Denkweise ist hier ganz normal. (Letzte Woche sprach ich mit meinem Freund Paul und sagte: „Nun hast Du schon das ganze Geld in dieses neue Gebäude investiert und es ist noch lange nicht fertig – wie willst Du das jetzt fertig stellen ?“ Die Antwort: „Wir werden sehen“. Ich sprach mit einer weiteren Freundin – Fr. Damaris: „Wenn Du es schaffst, Geld für die Schulausbildung der Kinder zu bekommen – hast Du auch eine Idee, woher das Geld für die Zeit danach herkommen soll?“ Antwort: „Wir werden sehen.“) Auf diese Weise wurde das neue Gebäude in Magadi so eine Art „Schwarzes Loch“, in dem schon viel Geld einfach verschwunden ist.

Das OMA Projekt floriert. 300 Familien, die AIDS-Waisen adoptiert haben, haben wir bereits auf unserer Liste. Wir versorgen diese Familien mit einer Krankenhausversicherung für die ganze Familie und die Waisen werden in der Pandipieri-Klinik kostenlos behandelt. Fünf kleine private Krankenhäuser haben sich diesem Programm bereits angeschlossen – sie haben sich verpflichtet, nur Kosten in Rechnung zu stellen, die auch durch die Krankenversicherung abgedeckt sind. Es gibt noch die beiden Regierungskrankenhäuser; allerdings sind die Bedingungen dort so schlecht, dass niemand freiwillig in diese Hospitäler gehen will. Die Regierung betrachtet uns wohl als Pilotprojekt, denn sie haben uns die Erlaubnis erteilt, auch nicht verwandte Kinder in das Projekt aufzunehmen und man hat uns versichert, dass die Kinder künftig kostenlos behandelt werden sollen. Das wäre eine große Hilfe.

Kürzlich hatten wir eine Feier mit den Verantwortlichen – auch die Ärzte, das Pflegepersonal und einige Leistungsempfänger waren anwesend. Alle waren sehr enthusiastisch. Die Ärzte baten uns, die Anspruchsberechtigen zu ermuntern, eher ein Krankenhaus aufzusuchen und nicht damit zu warten, bis die Krankheit hoffnungslos ist; sie fragten auch, ob wir nicht eine Möglichkeit haben Operationsbesteck (evtl. aus 2. Hand) zu besorgen. Das große Problem des OMA-Projektes besteht darin, neue Spender in Europa zu finden. Einige der früheren Spender haben sich entschieden, nach einigen Jahren nun auch einmal andere Projekte zu unterstützen. Wir bitten Euch also um Eure Hilfe bei der Suche nach neuen Spendern, die bereit sind, die Versicherung einer Familie zu übernehmen. Die Kosten hierfür belaufen sich auf Euro 50,00 / Familie / Jahr.

Die Kunstschule mit ihrem 3-Jahreskursen ist nach wie vor eine Quelle des Stolzes für uns. In 25 Jahren haben wir 150 Künstler ausgebildet. Unser Zertifikat ist privater Natur, hat aber in Schulen, die Kunsterzieher suchen, einen exzellenten Namen. Wir möchten erwähnen, dass Absolventen einer öffentlichen Schule ein ebenso schönes Diplom und theoretische Kenntnisse aufweisen können, aber in der Praxis können sie nur wenig vorweisen. Besucher unserer Schule hingegen gehen oft erst, nachdem sie ein schönes Bild oder eine Skulptur bei uns gekauft haben. Einer der Besucher hat sogar versprochen, Dan’s Monatsgehalt zu übernehmen – Dan ist der Direktor der Kunstschule. Ich selbst unterrichte jeden Freitag ca. 14 Schüler im Modellzeichnen. Oft lade ich Besucher ein, uns Modell zu stehen – sie können dann in ihrem Lebenslauf schreiben „Modell der Nyalenda Kunstakademie in Kisumu. Viele alte Freunde besuchen uns. Jan Laarakker kam – und als er nach so vielen Jahren Pandipieri wiedersah, rief er: „Jetzt weiß ich, wo all‘ das Geld geblieben ist: so viele große und schöne Gebäude!“. Er war dem Kern der Sache damit näher, als viele Leute denken – aber das ist oft so mit Jan.

Die politische Situation hier ist bedauerlich und zugleich beängstigend; wir sorgen uns um die Wahlen im kommenden Jahr, denn wir haben noch immer nicht die Rückschläge nach der letzten Wahlen überwunden. Das ICC (Internationaler Gerichtshof) in Den Haag bat sechs prominente Politiker um Stellungnahme zu den Massakern. Man hatte aber den Eindruck, dass die Politiker sich nur gegenseitig schützen. Und dafür werden Millionen Euro ausgegeben, während auf der anderen Seite für viele der Opfer, die noch heute in Zelten leben, kein Geld da ist. Die sechs Politiker – einigen von ihnen kandidieren für das Amt des Präsidenten – werden von den Anhängern ihres Stammes aufgehetzt und verweisen darauf, dass solche ernste Anschuldigungen nur zu weiteren ernsten ethnischen Unruhen führen könnten. Das hat fast schon erpresserischen Charakter.

Hinzu kommt, dass die Korruption so schlimm ist wie nie zuvor und die Regierung heizt dieses Feuer an. Unsere Parlamentarier gehören zu den höchstbezahlten Politikern der Welt, weigern sich aber Steuern zu zahlen. Sie weigern sich auch, Auskunft darüber zu geben, woher ihr Reichtum kommt. Die letzte Entwicklung ist, dass sie sogar Einkommensentschädigungen in Millionenhöhe für die Zeit des Wahlkampfes fordern. Kurios ist, dass die Menschen hier das akzeptieren. Oft denke ich, dass viele Menschen tief in ihrem Herzen neidisch auf diese Potentaten sind und davon träumen, selbst einmal in dieser glücklichen Lage zu sein. Sie verschließen mit einem Achselzucken die Augen vor dem Problem – nach dem Motto: alles wird gut. Ich selbst wäre nicht überrascht, wenn wir eines Tages im nächsten Jahr von einem Tsunami der Gewalt überschwemmt werden.

Erinnert Ihr Euch noch an Millimoly – die behinderte Studentin, die vor einigen Jahren mit mir in Holland war? Im letzten Monat hat sie erfolgreich ihr Studium abgeschlossen und sucht nun Arbeit als Chemielehrerin in einer Realschule.

Was mich angeht – ich lerne mehr und mehr von diesen kleinen Pillen zu schlucken und habe immer weniger Energie. Ich habe meinen Flug nach Holland für Juli gebucht und hoffe, viele von Euch persönlich zu treffen. Vor nicht allzu langer Zeit erhielt ich die Nachricht, dass einer meiner Freunde aus Kindertagen – Paul Schneider – gestorben ist. Er besuchte regelmäßig unser jährliches Treffen in Holland – ein großer Mann mit Bart. Einige Monate vor seinem Tod besuchte ich ihn und seine Frau Jose in Ulvehout – es war ein Fest der Erinnerungen. Wir erinnerten uns an die beiden Bomben, die in seinen Garten fielen, ohne zu explodieren. Nach dem Krieg sammelte die Armee eine davon auf und entschärfte sie auf der Veranda – direkt neben seiner Mutter, die gerade Socken strickte. Die zweite Bombe betonierten sie ein und schrieben das Wort BOMBE auf den Betonpanzer; einige Jahre später wurde auch diese Bombe abgeholt – dafür musste die halbe Stadt Hengelo evakuiert werden. „Mach’s gut, lieber Paul. Es ist schon so: manchmal müssen bestimmte Dinge zu Ende gebracht werden.

Liebe Freunde, vielen Dank für Eure Hilfe ! Macht weiter, denn wir brauchen Euch so dringend wie nie. Und glaubt mir: die Früchte aus Eurer Unterstützung sind groß und bestehen fort. Im Namen Eurer Freunde hier wünsche ich Euch allen

 

Frohe Ostern

Hans

Sommer 2010

Liebe Freunde,

Im Februar bin ich von Nairobi nach Kisumu zurückgekehrt und bin jetzt so etwas wie ein Ombudsmann für die Arbeiter hier in Pandipieri. Auf diese Weise konnte ich sehen, dass manche hier die Probleme anders zu lösen versuchen, als ich es tun würde Ich selbst würde – wenn es ein Problem gibt – alle beteiligten Personen zusammen rufen und um ihre Meinung bitten, damit Licht in die Angelegenheit kommt: mit solch einem zusätzlichen Licht werden die Konturen schärfer und man kann die Probleme besser erkennen. So denkt man hier aber nicht. Hier sehe ich, dass alle, die mit einem Problem zu tun haben, eher dazu neigen, das Ganze noch mehr durcheinander zu bringen, damit in dem dadurch entstehenden undurchsichtigen Wirrwarr nicht mehr erkennbar ist, wessen Fehler das Problem verursacht hat. Damit wird jedes Problem unlösbar und gerät – unerledigt – im Laufe der Zeit in Vergessenheit. Hallo, Ombudsmann -gibt es Dich noch ?

Außerdem versuche ich, die alten Pandipieri-Ideale durch neue Initiativen ein wenig aufzupolieren – viele sind sehr glücklich darüber. Unserer Mill Hill Missionsstation wird immer bunter, weil immer mehr Kandidaten aus außereuropäischen Ländern dazu kommen. Es gibt immer mehr junge Männer aus Indien und den Philippinen hier bei uns: Mill Hill bleibt in Bewegung und es wird immer deutlicher, dass die verschiedenen Kulturen lernen müssen, miteinander umzugehen. Was damit auch deutlicher wird, ist die Basis sowohl unserer Entwicklungsarbeit als auch die unseres Apostolats: Jeder einzelne soll bei uns aufblühen und die Chance erhalten, seine Fähigkeiten zu entwickeln.
Hier sollten die Unterschiede der Kulturen keine große Rolle spielen.
-Welche Bedeutung eine Hütte hat…….
Die dörflichen afrikanischen Kulturen bergen oft wahre Schätze an Weisheiten. Das wurde mir erst kürzlich bewusst, als ich hörte, wie eine unserer kenianischen Gemeinden die Symbolik ihrer Hütten beschrieb: Hütten sind ein Symbol der Gemeinschaft; der Mittelpunkt einer Hütte symbolisiert das Leben innerhalb der Gemeinschaft; die höchste Spitze der Hütte steht als Symbol für die Vorfahren und die Dachpfosten sind das Symbol für die Ältesten. Die vertikalen Bretter der Wände stehen für Männer und die horizontalen Bretter versinnbildlichen die Frauen. Die Stricke, mit denen horizonale und vertikale Bretter miteinander verzurrt sind, gelten als Symbol für die Kinder. Ist das nicht ein schönes Sinbild ?

-Vier Räuber
… und noch eine kulturelle Anekdote: an einem Sonntag, als wir gerade „shulbak“ in Nyalenda spielten, amüsierten sich meine Mitspieler königlich über folgende Geschichte:
Es gab einen Mann im Dunga Fischerdorf, der in seinem Haus von vier Räubern überfallen wurde. Er bat um Gnade, aber sie griffen ihn mit Macheten an. Der Mann warnte sie, dass sie sich mit diesem Überfall bösen Ärger einhandeln würden; aber sie schlugen ihn weiter und ließen ihn schwer verwundet zurück. Dies passierte vor einigen Wochen; nun liegen drei der Räuber todkrank und völlig verrückt im Kopf im Krankenhaus und der vierte Räuber rennt verzweifelt umher und hält seine Genitalien, aus denen die Würmer kriechen – der überfallene Mann hatte die Räuber verhext. Meine Freunde versicherten mir, dass es Menschen gibt, die andere mit Flüchen belegen können – sei es, weil sie eine persönliche Gabe haben oder weil ihre Eltern mit ihnen bestimmte Rituale durchführten, als sie noch Kinder waren.
-Ein gehörloses Mädchen…

Wann immer wir „shulbak“ spielen, treibt sich ein kleines 4-jähriges Mädchen in unserer Nähe herum. Sie ist taub und stumm. Sie lebt nicht bei uns aber doch ganz in der Nähe. Sie spielt dann ein wenig, schläft ein bißchen, macht ein paar Zeichen mit der Hand und bekommt einen Teller mit Essen. Irgendwann ist es dunkel – fast zehn Uhr! Sollte sie nicht langsam nach Hause gehen ? Nein – ihre Mutter weiß, dass sie bei uns ist Aber sollte nicht irgend jemand das kleine Mädchen nach Hause begleiten ? Nein – sie findet ihren Weg schon alleine. Vier Jahre alt ! Stumm und taub ? Alleine zurück nach Hause zwischen all den Wellblechhütten und in der Dunkelheit ? Ja – Kinder können das: dank der Erziehung zur Unabhängkigkeit, die sie erfahren.

 

Das Gesundheitsprogramm unserer Gemeinschaft

Vor nicht allzu langer Zeit saß ich in Schwester Bernadette’s Büro, um die Kassenbücher zu prüfen. Erstaunlich, wie sich alles hier entwickelt hat! Hier sind nun 37 Personen beschäftigt – viele von ihnen mit medizinischer Ausbildung. Sie bekommen hier den Lohn, der von der Regierung für diese Tätigkeit vorgeschrieben ist. Für alle zusammen, belaufen sich die Lohnkosten auf ca. Euro 10.000,00 / Monat. Daraus kann man ersehen, dass alle, die hier arbeiten, anständig entlohnt werden. Für mich ist das ein Grund zur Freude. Mit unserem Gesundheitsprogramm helfen wir nicht nur vielen Kranken, unterweisen tausende Haushalte in der Haushaltsführung und Nachbarschaftshilfe – wir geben auch noch 37 Personen Arbeit und einen anständigen Lohn.

Das Gesundheitsprogramm hier steckt voller Überraschungen. Gestern traf ich zufällig eine holländische Dame mit Namen Inge hier im Pandipieri Centre. Sie ist Ärztin und begleitet unserer Programme hier einen ganzen Monat lang; sie war sehr aufgeregt und erfreut darüber, wieviel sie hier schon gelernt hatte. Am gleichen Tag sah ich in der Nähe des Tores ein Mädchen an einem Tisch mit Wasserflaschen sitzen – sie machte dort Werbung für eine neue Entdeckung. Wissenschaftler hatten nämlich herausgefunden, dass man Wasser sterilisieren kann, indem man die mit Wasser gefüllten Flaschen für einige Stunden in die Sonne stellt. Die Leute, die dem Mädchen ihre Botschaft glaubten, schrieben ihren Namen in das Buch des Mädchens und bekamen eine Flasche Wasser. An diesem Morgen waren schon achte neue Namen in das Buch eingetragen worden. Dieses Mädchen gehörte zu einem Aktionsbündnis, das die Neuentdeckung bekannt machen wollte und hatte ihren Stand im Rahmen unserer Gesundheitsprogramme im Centre aufgebaut.

Wann immer wir über unsere Gesundheitsprogramme sprechen, denken wir an Jacinta van Luijk. Schon deshalb waren es gute Neuhigkeiten für alle in Millhill, das Jacinta seit dem 1. Mai wieder bei uns ist und mit ihrer Arbeit die gefährliche Welt rund um Kitale etwas besser machen will.

 

Euch allen wünsche ich, dass Ihr den Sommer genießen könnt.

 

Hans