Erfolge 2005

Erfolge in Pandipieri 2005

Ca. 100 Straßenkindern konnten wir helfen, zu ihren Familien zurück zu kehren.

Ca. 250 Patienten kamen zu uns die Klinik und baten um Rat und Hilfe.

Ca. 50 AIDS-Patienten haben wir beigestanden, als sie starben.

Ca. 400 AIDS-Patienten konnten mit unserer Hilfe ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Ca. 1000 Familien wurden über den Umgang mit Babys unterrichtet und erhielten Babynahrung von uns.

Viele Haushalte/Familien und die Gemeinde Pandipieri konnten mit Eurer Hilfe finanziell unterstützt werden.

Ca. 40 junge Frauen erhielten eine individuelle Ausbildung.

Ca. 170 Kinder besuchten unseren Kindergarten.

Ca. 50 Schüler besuchten unsere Schule in Pandipieri.

Unsere kleinen Betriebe in Pandipieri haben gelernt, effizienter zu wirtschaften.

Ca. 80 – 100 Arbeiter erhielten einen ordentlichen Monatslohn für ihre Arbeit in den kleinen Betrieben Pandipieris.

Danke!

Ostern 2005

Liebe Freunde,

aus der Bibel wissen wir, dass die alten Juden ein ausgeklügeltes System hatten, wie sie sich ihrer Missetaten entledigen konnten: die Sündenbock-Zeremonie. Hier bei uns ist dies auch üblich: Die Menschen machen andere Personen für die eigenen Vergehen verantwortlich. Diese Person wird damit zum Schuldigen und man selbst ist seine eigene Schuld los. Es gibt sogar eine alte Luo-Version dieses Sündenbock-Prinzips: Wenn früher jemand ernsthaft erkrankt war, behauptet man, diese Krankheit sei durch die Gegenwart eines bösen Geistes hervorgerufen worden. Der Kranke konnte dann ein Schaf nehmen, ihm teilweise  die Haut abziehen, den bösen Geist in dieses Schaf „senden“ und das Schaf weg bringen. An der Stelle, wo das arme Schaf dann starb, suchte sich – der Überlieferung nach – der böse Geist ein neues Heim in einem der Menschen, die gerade in Nähe waren.

Heute wird dieser grausame Brauch nicht mehr praktiziert – aber es gibt sozusagen einen „Nachfolger“ dieser Tradition. Sagen wir – jemand hat Schmerzen in seinem Bein; er kann eine Münze nehmen, mit ihr über die schmerzende Stelle streichen und die Schmerzen gehen in die Münze über – dann legt er die Münze auf einen Weg. Derjenige, der diese Münze aufhebt, nimmt mit dieser Münze auch den Schmerz auf sich. Wäre das nicht eine attraktive Alternative zu den herkömmlichen Heilmethoden? Auf jeden Fall ist es einen Versuch wert!

Heilung durch Gebete ist  weit verbreitet. Aber es gibt auch Gebete, die das Geld vervielfachen. Auf dem Markt oder an der Bushaltestelle zum Beispiel treffen Sie auf jemanden, der Ihnen versichert, dass er Ihr Geld verdoppeln kann. Wenn Sie ihm – sagen wir 10.000 Schilling – geben, rollt er diese in ein Stück Papier ein und betet ein bedeutungsvolles und magisches Gebet; dann gibt er Ihnen das Päckchen mit der glücklichen Nachricht zurück, dass die 10.000 Schillinge nun in 20.000 Schillinge verwandelt wurden. Was er Ihnen noch mit auf den Weg gibt, ist die ernsthafte Warnung, dass Sie dieses Päckchen erst dann öffnen dürfen, wenn Sie zuhause sind – wenn Sie es früher öffnen, wirkt das Gebet nicht. Aber oh weh! Wenn der arme Besitzer der 10.000 Schillinge dann zuhause angekommen ist und das Papierröllchen öffnet, findet er leider nur Papierschnipsel in dem Päckchen. Man ist erstaunt, dass immer wieder Menschen auf diesen Trick hereinfallen  – aber ständig liest man in den Zeitungen, dass wieder jemand auf diese Weise sein Geld verloren hat.
Vor einigen Wochen erfuhr ich, dass einer meiner Priesterkollegen für einige Jahre von seinem Dienst suspendiert wurde. Ich fragte mich, was er Schlechtes getan haben könnte. Er hatte 300.000 Schilling Spendengelder an sich genommen und hatte genau das getan, was ich oben beschrieben habe – er wollte diese Spendengelder verdoppeln und hatte alles verloren. So war es also auch ihm passiert – was kann man mit einem solchen Mann tun? Zudem er auch noch so jung ist?

Was mich betrifft – so bin ich am 31. Dezember 2004 hierher zurück gekommen; ich brauchte einen ganzen Monat, um meine Rückstände aufzuarbeiten. Diese Zeit benötigte ich aber auch, um all die schönen Erinnerungen der letzten Monate zu verdauen – Erinnerungen an eine Zeit, in denen ich so viele von Euch treffen konnte. Wie ich höre, hat Euch der Winter noch im Griff; vielleicht freut es Euch zu hören, dass die Temperaturen an einem schattigen Nachmittag hier im Moment bei + 35 °C und darüber liegen.

Um uns kümmert sich hier ein Koch, der – obwohl er weder schreiben noch lesen kann – ein wahrhaft exzellenter Küchenmeister ist; man kann ihn gar nicht genug loben! Wir sind hier zu zweit – Gerry Mooij und ich – aber John, unser Koch, weiß niemals genau, wie viel er vorbereiten muß. Um immer gut vorbereitet zu sein, kocht er immense Mengen – immer viel zuviel! Sein Arm ist gelähmt – deshalb lässt er oftmals Dinge fallen; aber weil er ja immer so viel zuviel kocht, bleibt für uns immer noch jede Menge zu essen übrig. Wie Ihr seht, meint es das Glück auch in diesem Fall gut mit uns –  auf eine etwas außergewöhnliche aber wunderbare Weise.
Liebe Freunde, ich wünsche alles Liebe und Gute; hoffentlich begleiten Euch Glück und Vorsehung auch auf so wunderbare Weise wie mich.                                   

Hans Burgmann

Weihnachten 2004

Meine lieben Freunde,

seit dem 1. September bin ich nun schon in Holland. Durch die kenianische Sonne erkrankte ich an Hautkrebs im Bereich des Kinns. Anfang Oktober wurde ich von einem Chirurgen operiert; er hat mir natürlich auch ein Face-lifting verpasst – ich sehe jetzt besser als vorher aus! Um alle Krebszellen zu zerstören, erhielt ich nach der Operationen 20 Chemotherapien. Die Menschen hier in meiner Heimatgemeinde St. Lambertus haben mich während dieser Zeit sehr unterstützt. Ich hatte auch die Gelegenheit, einige schöne Reisen zu unternehmen – z.B. nach Nordfrankreich. Dort hat mich zuerst beeindruckt, dass viel weniger Menschen mit grauen Haaren in der Kirche sind; aber dann ist mir gedämmert, dass sich hier fast alle die Haare färben.

Immer wieder werde ich nach Einzelheiten über die derzeitige Situation in Pandipieri gefragt; also gebe ich Euch nun einen kurzen Lagebericht über die neue Situation vor Ort:

Wir haben fünf verschiedene Abteilungen gebildet; alle unsere Projekte wurden auf die folgenden fünf Abteilungen,die wir Departments nennen, verteilt:

Gesundheit – Straßenkinder – Erziehung – Geschäft – Verwaltung

Fast alle unsere Projekte  werden jetzt  von Einheimischen geleitet; die Organisation ist wie folgt strukturiert:

– Manager
Alphonce Lumumba,
der sich in unserem letzten Freundesbrief vorgestellt hat. Er ist jung, kommt aus Kisumu und ist mit unseren Programmen aufgewachsen. Er ist sehr kompetent und auf der ganzen Welt herum gekommen. In seiner Arbeit wird er von den Leitern der oben genannten fünf Departments unterstützt; außerdem helfen ihm noch fünf Delegierte, die in den Kommunalwahlen gewählt wurden.

–  Verwaltungsrat
Präsident ist Msgr. John Oballa; auch er hat sich im letzten Freundesbrief vorgestellt. Er ist – nach dem Erzbischof der ranghöchste Priester in der Diözese, äußerst kompetent und sehr an dem städtischen Apostolat interessiert. Vizepräsident des Rates ist Pater Michael Corcoran aus Irland – Leiter der Mill Hill Mission in Ostafrika.

Fünf weitere Mitglieder repräsentieren die fünf verschiedenen Departments – gewählt von den Gemeinden Kisumus; an ihrer Seite arbeiten ein Finanzexperte, ein Rechtsexperte und ein Experte für die Mission (das bin ich). Alphonce Lumumba ist der Sekretär dieses Rates (ohne Stimmrecht).

– Beratungsgremium
Es besteht aus all den früheren Mitgliedern des alten Pandipieri Teams.
All das sollte wie Musik in Euren Ohren klingen; denn es bedeutet, dass praktisch die Gesamtleitung von Pandipieri nun in den Händen von Einheimischen Kenianern liegt – und zwar in den besten Händen, auf die wir hoffen konnten. Es bleibt noch, die Verbindung und Kommunikation zwischen ihnen und den Mitarbeitern in Übersee zu stärken; das sind Hunderte von alten Freunden und einige Stiftungen in Holland, England, Deutschland und in den Vereinigten Staaten.

Wie gut alles organisiert ist, zeigt auch die Zahl der vielen Besucher. Pater Gerry Mooij erzählte mir von allein zehn Besuchern im Monat November – alle von Ihnen zeigten großes Interesse  an der örtlichen Kultur und auch daran, ihren Beitrag innerhalb der Organisation zu leisten. Natürlich kann die Sprache in manchen Fällen auch Probleme mit sich bringen: Anfang Juli z.B. besuchte uns eine Frau; sie ging zum Friseur und machte deutlich, dass sie die Haare um einen Zoll gekürzt haben wollte; als sie den Salon verließ, waren Ihre Haare gerade noch ein Zoll lang!

Soeben habe ich leider eine schlechte Nachricht erhalten: Vor einigen Tagen wurde die Savings Bank von Pandipieri unter der Leitung von Kizito von  bewaffneten Räubern überfallen – und das am hellen Tag! Es wurden 2000 Euro geraubt – eine wirkliche Katastrophe.

Am 30. Dezember werde ich zurück nach Kisumu fliegen; während meines Aufenthaltes hier in Holland passierten einige schreckliche Dinge: z.B. der Mord an einem sehr provokativen Schriftsteller durch einen fanatischen Islamisten. Dieser Umbruch hier in Holland gab mir das Gefühl, dass wir in Kisumi genau das Richtige tun: Brücken bauen zwischen Menschen verschiedener Kulturen – langsam, respektvoll und indem einer vom anderen lernt; ich glaube, dass diese gemeinsame Erfahrung der Weg in eine neue Welt ist – die Vision einer gegenseitigen Bereicherung.

Möge uns das Weihnachtsfest lehren, uns wieder auf die ursprüngliche Bedeutung von Weihnachten zu besinnen:

FRIEDEN  AUF  ERDEN  ALLEN , DIE GUTEN WILLENS SIND.

Hans Burgmann

Sommer 2004

Liebe Freunde,

das große Fest am 13. März war ein riesiger Erfolg – es war in jeder Hinsicht eine doppelte Feier:  das silberne Jubiläum unser Arbeit in den Wellblechhütten von Pandipieri aber auch die Übergabe des alten Vorstandes an die neuen Vorstandsmitglieder. Ein paar Wochen vor dem Fest hatten wir eine Krise: Alphonce Lumumba, auf dessen Schultern die Last der umfangreichen Festvorbereitungen lastete, verletzte sich am Knie – etwas war gebrochen und gerissen, sodass er im Bett liegen musste. Wir taten alles, um die Situation zu retten und alles verlief in geordneten Bahnen – das meiste zumindest. Die Heilige Messe wurde unter freiem Himmel gefeiert – jenseits des Baches, an dem  Pandipieri liegt. Die feierliche Prozession schlängelte sich wie ein Wurm über die kleine, wacklige Brücke  – durch einen Laden hindurch, wo Fahrräder repariert werden.

Mittelpunkt des Festes waren natürlich die Präsentation unserer Programme und ein gemeinsames Essen. Alles in allem ein wirklich beeindruckendes Fest, zu dem wir auch den Segen des Erzbischofs erhielten.

Die Übergabe unseres Mandats wurde mit einer netten Geste symbolisiert – mit Kerzen und kleinen – mit Salz gefüllten – Täschchen. Zur Kollekte brachten die alten Vorstandsmitglieder ihre Kerzen  (Ihr seid das Licht der Welt) und das Salz (Ihr seid das Salz der Erde) zum Bischof zurück; am  Ende der Heiligen Messe übergab der Bischof diese Kerzen und die Salztäschchen dann an die neuen Vorstandsmitglieder. Die alten Vorstandsmitglieder werden den päpstlichen Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“ erhalten.

Am Tag zuvor gab es Feiern in allen sieben Zentren – mit Geschichten über die Entstehung und Entwicklung, Unterhaltung und einem Essen für die Armen. Alles verlief sehr erfolgreich – der finanzielle Aspekt eingeschlossen. Ich möchte meinen besonderen Dank all denen aussprechen, die uns anlässlich dieses Festes  mit einem „kleinen Extra“ unterstützt haben.

Unsere holländische Stiftung war durch Schwester Martinia und Henk Cliteur vertreten.

Eine neue Ära ist angebrochen; der Übergang ist fließend – alles in allem eine Herausforderung. Nur zwei der neuen Vorstandsmitglieder sind schon länger mit Pandipieri verbunden; die meisten sind Delegierte ihrer jeweiligen Gemeinden; aber ein jeder von ihnen ist  eine Kapazität – sowohl in seiner Persönlichkeit als auch beruflich. Das ist wirklich ein Segen. Auf der anderen Seite fällt es solchen Persönlichkeiten auch manchmal schwer, sich anzupassen. Kürzlich besuchte ich – zusammen mit Margriet ten Brummelaar – die meisten von ihnen, um persönliche Beziehungen herzustellen und zu pflegen; die  Besuche haben Margriet und mir Mut gemacht. Diese Erfahrung wird Margriet, die ja jetzt Vorsitzende der Holländischen Stiftung ist, eine wertvolle und effektive Unterstützung  sein: Sie kennt jetzt die Gesichter, die zu den Namen gehören, und diese kennen (und mögen) Margriet. Zwei der neuen Vorstandsmitglieder haben versprochen, regelmäßig einen kleinen schriftlichen Beitrag  zu dem Freundesbrief zu  leisten: der Vorsitzende Pater John Oballa und Manager Alphonce Lumumba.

Unsere Programme entwickeln sich gut; das Gesundheitsprogramm hofft auf viel versprechende Kontakte zu einem großen Kinderkrankenhaus in Pittsburg/USA. Unter den jetzigen Studenten sind einige richtige Künstler; diese Woche hörte ich, dass zwei ehemalige Studenten hervorragende Jobs erhalten haben: einer dieser Studenten arbeitet jetzt als Kunstlehrer in einer großen Schule und die andere Studentin ist Graphikerin in einem großen Unternehmen. Mehr als vierzig unserer Haushaltsschülerinnen haben schon Kontakt zu Hotels, Restaurants und Gasthöfen in der Stadt.

Ein anderes – ernstes – Thema:
Immer wieder werden wir daran erinnert, wie schwierig es hier für die Menschen ist,  schlechte und schädliche kulturelle Praktiken und Bräuche abzuschütteln. Zu nennen ist da vor allem der Brauch,  die Witwe seines Bruders zu „erben“ – ein absolut tödlicher Brauch, wenn AIDS mit im Spiel ist. Aktueller Fall ist eine junge Witwe, deren Mann vor nicht langer Zeit an AIDS starb; auch die junge Frau war bereits infiziert. Sie hatte den Mut und weigerte sich, an den Bruder ihres toten Mannes „vererbt“ zu werden. Man könnte denken, dass ihr die Familie dankbar dafür sein sollte, dass sie sich weigerte, die tödliche Infektion in der Familie weiter zu tragen – aber nein! Nun ist die junge Frau gestorben und die Familie ihres Mannes, die die Pflicht hätte, sie zu beerdigen, weigert sich aus eben diesem Grunde, sich um die Beerdigung zu kümmern.

Manche Missgeschicke entbehren nicht einer gewissen Komik. Vor einiger Zeit wurde ein Bus im Norden des Landes aus dem Hinterhalt überfallen. Die Banditen nahmen den Passagieren alles – einschließlich aller Kleider, die die Menschen im Bus trugen. So kam es, dass ein paar Stunden später ein Bus – besetzt mit völlig unbekleideten Passagieren – in Kitale ankam. Mengen an Kleider wurden durch die Fenster in das Innere des Busses gereicht, bevor die Reisenden den Bus verlassen konnten.

Wenn wir schon bei Räubern sind – hier ist noch eine Geschichte:  An einem schönen Montagmorgen wurde die Sonntagskollekte im Büro einer Gemeinde gezählt. Diese  wirklich verantwortungsvolle Aufgabe lag in den Händen von Mitgliedern des Kirchenvorstandes. Plötzlich stürmte eine Horde Diebe in den Raum. Sie rafften das Geld zusammen und ließen es in einer Tasche verschwinden. Und dann überprüften Sie noch die Brusttaschen der zählenden Beamten – wo sie natürlich noch ein paar Tausender fanden. Die Diebe zeigten den Mitgliedern des Kirchenvorstands erst einmal, was eine Harke ist und erklärten ihnen, wie schlecht es ist,  als Kirchenvorstand dieses Geld zu stibitzen. Von dem Kirchenvorstand darauf hingewiesen, dass sie ja auch nicht besser seien, antworteten die Räuber: „Wir brauchen dieses Geld ganz dringend und wir haben hart dafür gearbeitet, es zu bekommen. Außerdem werden wir das gestohlene Geld zurückgeben – nach und nach, Stück für Stück in der Sonntagskollekte.“
Viele Grüße und bis zum nächsten Mal.

Hans Burgmann