Weihnachten 2009

Liebe Freunde,

Ich möchte auf ein wichtiges Ereignis aufmerksam machen: die KUAP Generalversammlung, die am 30. Oktober stattfand. Mehr als einhundert Interessenvertreter aus allen Gegenden Kisumus waren anwesend. Tagungsort war die schöne große Halle der Mädchen- Haushaltsschule in Nyalenda. Der KUAPVorsitzende, Pater John Oballa, gab uns einen beeindruckenden Überblick über die Aktivitäten des vergangenen Jahres – ein Bericht mit mehr als 27 Seiten, sodass ich Euch hier nur eine kleine Auswahl der wichtigsten Punkte vorstellen kann. Es ist ein Zeugnis dafür, wie erstaunlich sich Pandipieri entwickelt hat. Der komplette Bericht kann natürlich gerne angefordert werden.

Allgemeines

• Alle unsere Zentren wurden durch die Regierung offiziell zugelassen
• Die Vorschule wurde renoviert und vergrößert
• Im Magadi Zentrum wurde ein neues Schulgebäude errichtet
• In Pandipieri wird eine große Gemeinschaftshalle gebaut

Gesundheitsprogramme

• 968 Hausbesuche, 330 Toiletteninspektionen, 75 davon renoviert
• 1384 Kinder untersucht, 126 wurden stationär behandelt
• 120 Menschen beteiligten sich an Aufräumungsarbeiten in zwei Gemeinden
• 96 Besuche in Schulen, um sanitäre Anlagen zu inspizieren, Bäume zu pflanzen, zur Kontrolle der Abfallbeseitigung und zur Anlage von Gemüsegärten
• Verteilung von Monatsbinden an 1500 Mädchen in 20 Schulen
• Sozialarbeiter machten 1648 Hausbesuche bei 473 Patienten
• 17 Hygiene-Workshops wurden organisiert und von 788 Menschen besucht
• 32 Versammlungen zur Lösung von Nachbaschaftsproblemen
• 3800 Menschen, die an den Nachwirkungen der Aufstände nach den Wahlen im vergangenen Jahr litten, wurden unterstützt
• 1200 fanden bei uns psychologische Konfliktbetreuung

 

Pandipieri und die Magadi Klink

• 9459 Patienenten wurden hier im vergangenen Jahr medizinisch versorgt • 6527 Personen wurden getestet, 7652 Urin- und Stuhltests durchgeführt • 391 Kinder wurden geimpft
AIDS
• 519 Kranke kamen in die Klinik
• 999 Menschen wurden umfangreich informiert
• 31 Versammlungen wurden organisiert
• 98 Patienten wurden medizinisch behandelt
• 1200 Menschen unterzogen sich einem HIV test

Staßenkinder

 

• Die Zusammenarbeit zwischen Rechtsanwälten und
staatlichen Stellen ist gut

• Ein großer Sporttag wurde organisiert

• 74 neue Kinder wurden in die Rehabilitationsprogramme aufgenommen; 40 Kinder gingen zurück nach Hause und 30 Kinder begannen, wieder erste Kontakte zu ihren
Familien aufzubauen.
• 200 Kinder wurden durch unsere Streetworker kontaktiert und auf unsere Programme aufmerksam gemacht

Mädchen – Haushaltsschule und Berufsberatung

• Geschäftsangelegenheiten werden im Lebenslauf hinzugefügt
• 40 Nähmaschinen haben wir bekommen, um die größeren
Mädchen auszubilden

• 14 Schulen wurden mit Gebäuden und Toiletten unterstützt

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Buchhaltung
• Die Bücher wurden durch offiziell bestellten Auditoren
geprüft
Pläne
• Ausweitung der KUAP-Programme auf immer mehr
Stadtgebiete Kisumus

Informeller Schulausschuss
• 16 neue Kinder, 32 Kinder wechselten zu normalen
Schulen über
Pandigraphics (Computerraum)
• Wurde nach dem verheerenden Feuer in 2008 wieder
sehr schön aufgebaut

 

Der Aufsichtsrat
Wichtigster Punkt war die Wahl der neuen Mitglieder. Vier bisherige Mitglieder schieden nach 6 Jahren satzungsgemäß 5 aus. Man dankte für Ihren Einsatz und sie stellten ihre Nachfolger vor:

James Makombwa – Personalverantwortlicher wird ersetzt durch Peter Mahula (Kibuye)
Luke Onkoba – Erziehung wird ersetzt durch Margarret Ojuando (Riwo)
Elija Omollo – Kinder wird ersetzt durch Mary Olande (Nyalenda), Lehrerin
Paul Otieno – Finanzen wird ersetzt durch Samuel Deya, Banker und verantwortlich für Mikrokredite
Peter Karanja – Rechtsberater wurde abgelöst durch Anne Omolo, Magistrat des obersten Gerichtshofes
Agnes Aggot – Medizinische Expertin war schon bereits für den Geschäftsbereich Gesundheit tätig

 

So gibt es nun vier Frauen im Aufsichtsrat. Fr. John Oballa bleibt Vorsitzender, Fr. Fons Eppink ist sein Stellvertreter und ich selbst bleibe missionarischer Berater.

Ich muss zugeben, dass ich dies alles mit großem Stolz berichte und ich möchte, dass auch all unsere Freunde stolz sind. Es ist das Ergebnis der vergangenen 30 Jahre – ein Bericht über das Wachstum und die Früchte, die unsere Anstrengungen hervorgebracht haben.

Zum Gedenken an Josephine Akelo

Wer auch immer Pandipieri besucht hat, wurde von Josephine geküsst – eine Geste, die sie von uns übernommen hat – aber für sie war es mehr: eine Geste tiefer Freundschaft auf höherer Ebene, denn für Sie war alles von Bedeutung und jeder war ihr wichtig.

In Pandipieri wurde sie erwachsen; ihr Vater war ein außergewöhlicher Katholik – er schenkte in den siebziger Jahren die Hälfte seines Grundstücks Pandipieri. Der Gemeindepriester errichtete auf diesem Grundstück einen Kindergarten, eine schöne Halle und einige Häuser – das alles nannte er dann St. Mathias Mulumbna. Josephines Ehe endete in einem Desaster, denn sie konnte keine Kinder gebären. Wie viele andere Frauen Kenias, mit denen sie dieses Schicksal teilte, wurde sie somit als nutzlos betrachtet. Finanziell konnte sie sich über Wasser halten, denn sie war eine exzellente Textilhändlerin – aber innerlich brodelte es immer in ihr.

Im Jahr 1977 ermunterte ich führende Gemeindemitglieder in den Slums von Kisumu, sich an kirchlichen Aktionen für Bedürftige zu beteiligen und Mathias Mulumbna wurde zur Basis dieser Aktivitäten. Josephine stellte sich uns vor – sie hatte eine Vorliebe und 7 ein gutes Gefühl für Gedichte und organisierte gerne. Sie hatte kein Problem damit, sich mit anderen auseinanderzusetzen; sie war treu wie ein Schäferhund und liebte es, gestreichelt zu werden – die ideale Person für große Herausforderungen. In 1979 ließ ich mich in dem Zentrum ihres Vaters nieder und änderte den Namen in Pandipieri Catholic Centre. Wir waren eine kleine Gemeinschaft: Kizito, Mary, Toon van Kaam, Cees van der Hulst und ich. Josephine gesellte sich sofort zu uns. Sie tat das, was einmal die Jünger Jesu getan hatten: sie ließ alles hinter sich und stellte ihr ganzes Leben in den Dienst Pandipieris. Keine Wogen waren ihr zu hoch und keine Pläne zu verrückt. Sie war die “Geburtshelferin” fast aller Pandipieri Programme. Josephine versuchte alles und war mit unerschöpflicher Energie gesegnet. Meine eigene Mutter – selbst auch kein langsamer Mensch – konnte beim Nähen nicht mehr mithalten. Während der ersten zehn Jahre wusste niemand von uns, wie alt Josephine war. Sie verstand die Philosphie Pandipieris und ging darin völlig auf; und sie hatte sehr viele Kinder, denn alle Jungs, die die Schule besuchten, wurden ihre Söhne. Als zurück gewiesene und kinderlose Frau war ihre Stellung innerhalb der Kultur der Luos mehr als heikel. Es gab nicht einmal eine Grabstelle für sie – aber sie fand eine Lösung – 8 sie kaufte sich ein Stückchen Land. Das war sehr progressiv, denn eine traditionelle Frau besitzt hier kein eigenes Land. Auf diesem Stückchen Land baute sie sich eine Heimstätte; auch das ungewöhnlich, denn üblicherweise baut der Mann das Haus für seine Frau. Danach konnte ihr niemand mehr ein eigenes Grab verweigern – sie wurde in der Nähe ihres Hauses auf ihrem eigenen Grundstück begraben. Ihr Leben stand unter keinem guten Stern. Die Nichtanerkennung von Autorität ist in Afrika keine einfache Angelegenheit: wie so oft in der Geschichte passiert, entledigt man sich dieser Menschen oder schränkt ihre Freiheit ein. Ich habe mich sehr energisch dafür eingesetzt, dass meine alten Weggefährten eine bedeutende Position in einem Beratungsgremium bekommen – ohne Erfolg. Plötzlich brauchte man Josephine nicht mehr – wieder einmal war sie “nutzlos”. Das war das Ende ihres Lebens – ein Hirnschlag war der letzte Akkord Ihres Lebensliedes. Durch KUAP erhielt Josephine einen schönen Sarg und ein würdiges Bergräbnis. Aber der Name Josephine Akelo wird noch lange als Echo durch Pandipieri hallen – auch dann, wenn die Namen aller anderen längst vergessen sind. Und das ist richtig so: sie war ein Grundstein Pandipieris.
Euch allen
ein friedvolles Weihnachtsfest
Hans