Ostern 2006

Liebe Freunde,

Wenn heute alte Bekannte Pandipieri besuchen, werden sie es kaum wieder erkennen. Ein großartiges Gebäude ist hier für das Resozialisierungs- programm der Straßenkinder entstanden. Mitte Februar wurde dieses Gebäude mit einem großen Fest eingeweiht. In meiner Ansprache anlässlich dieser  Veranstaltung verglich ich dieses zweistöckige Haus mit einer Blume, die aus den Wurzeln des alten Pandipieri gewachsen ist – jeder ist davon tief beeindruckt. Dieses Haus ist Zeugnis für die anhaltende Dynamik und das Wachstum von Kisumu Urban Apostolate.
Hier kann ich Euch ein kleines Geheimnis verraten: es wird nicht die letzte Blume sein, die hier anfängt zu blühen – in Nyalenda zeichnet sich etwas sehr Schönes ab: anstelle des Gebäudes, in dem wir früher alten Kunststoff wieder verwertet haben, wird ein neues Gebäude für die Haushaltungsschule der Mädchen entstehen. Selbstverständlich werde ich Euch über dieses Projekt auf dem laufenden halten.

Diese Entwicklungen zeigen auch, dass der neue KUAP Vorstand hart daran arbeitet, alten Projekten  neue Impulse zu verleihen. All diese Leute sind sehr kompetent und willens, einen großen Teil ihrer Zeit und ihrer Energie diesen Projekten zu widmen; die zahlreichen Treffen dauern oft bis spät in die Nacht – und all diese Leute arbeiten freiwillig und ohne Bezahlung. Sie können stolz auf sich sein und verdienen unsere Anerkennung. Diese Menschen sind sich der starken freundschaftlichen Bindung zu Euch – die Ihr so weit weg seid – sehr bewusst. Fr. Fons Eppink, die viele von Euch schon kennen, ist jetzt unsere neue stellvertretende Vorsitzende.

Zu unser aller Erstaunen ist der Wasserspiegel des Viktoriasees dramatisch gesunken. Eine Zeitung schrieb darüber: „ Der Wasserspiegel ist um mehr als sechs Fuß (1 Fuß = 30,48 cm – Anm. des Übersetzers) gesunken; an manchen Stellen sogar um 10 Fuß (ca. 3,10 m)“. Nicht nur der Viktoriasee ist davon betroffen, und jeder fragt nach der Ursache. Einige machen die Abholzung der Wälder dafür verantwortlich; andere sind der Meinung, dass es sich dabei um eine regelmäßig wiederkehrende Erscheinung handelt, deren Ursache in unterirdischen Wasserströmungen zu suchen ist. Nach Meinung dieser Leute regelt sich das alles wieder von selbst.

Im Moment haben wir den Eindruck, dass sich mehr und mehr geistig behinderte Menschen zu unserer Kirchengemeinde hingezogen fühlen. Ich sage mir immer wieder, dass das ein gutes Zeichen ist. Die Dame aus Uganda, die vor ca. vier Jahren im Garten vor unserem Haus ihr Zelt aufgeschlagen hatte, ist auch wieder zurückgekehrt. Sie tauchte eines Tages einfach mit einem breiten Lächeln im Gesicht wieder auf als wollte sie sagen: „Ich weiß doch, wie sehr Ihr mich vermisst habt!“. Sie schlug ihr Zelt wieder am alten Platz auf – im Schatten des kleinen Teebude. Dort kocht sie, schläft und wäscht Ihre Kleidung. Sie klettert hoch in die Bäume, um dort abgestorbene Äste für Ihr Holzfeuer zu holen, und wenn wir essen, steht sie vor dem Fenster, um zu sehen, was wir auf dem Teller haben und was wir uns im Fernsehen anschauen. Wohl oder übel haben wir ihr zu essen und zu trinken gegeben; aber kürzlich sagte sie uns, dass sie unser Essen nicht mag und dafür lieber 100 Schillinge hätte. Damit könnte dann in einem Restaurant in der Stadt essen.

Davon abgesehen müssen wir uns nicht viel um sie kümmern. Ganz anders die andere Frau, die – mit großen Plastiktaschen in den Armen – dauernd in die Kirche hineinplatzt und dort jeden mit unverständlichen Ausdrücken beschimpft.

Dann ist da noch der arme Junge von ca. 16 Jahren, der immer in der Lourdes-Grotte schläft. Tagsüber ist er überall dabei, schaut uns  zu und  kratzt sich unablässig. In der Kirche benimmt er sich mehr als tadellos: wenn die anderen beten, wirft er sich auf den Boden, hört den Gebeten mit offenem Mund zu und kugelt sich  bei jedem lustigen Satz des Priesters vor Lachen auf dem Boden – er ist der ideale Kirchenbesucher.

John ist natürlich auch noch immer hier; das ist dieser große  Mann mit den Hühnerfedern im Haar, der während der Messen immer langsam wie ein Heilsbringer auf und ab geht – manchmal in allen drei Sonntagsmessen. Danach kommt er zum Essen auf unsere Terrasse.  Gott sei Dank kommt die  Frau, die während der Messen immer unkontrolliert schrie und mit den anderen Kirchgängern schimpfte, „weil Gott ihr das so befohlen hatte“, im Moment nicht mehr in unsere Kirche; ihr Arbeitgeber hat sie in eine andere Stadt versetzt, nachdem Sie Ihren Chef geschlagen hatte, „weil Gott es ihr so befohlen hatte“.

Was mich immer wieder in Erstaunen versetzt ist die Haltung  der Leute   hier gegenüber diesen  Menschen mit solch langwierigen Leiden: alle sind offensichtlich der Ansicht, dass es auch für solche Menschen einen Platz auf der Welt geben muss. Das finde ich wirklich sehr bemerkenswert !

Vielleicht sind einige von Euch erstaunt zu hören, dass es die Kunststoffwiederverwertung bei uns nicht mehr gibt. Tatsächlich sind nicht all unsere Aktivitäten Erfolgsstories. An und für sich war dieses Programm etwas wirklich Großartiges – die Idee war einfach: die Elendsviertel  sind voll mit Plastikmüll. Also warum sollten man die Menschen diesen Müll nicht aufsammeln lassen, ihnen etwas Geld dafür geben, den Müll sortieren, waschen und zerkleinern, in Säcke abfüllen und verkaufen ?  Mit dem Erlös könnte man ein halbes Dutzend Arbeiter entlohnen und den Armen einen Extrabonus zukommen lassen. Also wurde jemand mit der Leitung dieses Projektes bestimmt, aber nach einem Jahr schon hatten wir große Verluste. Es sah so aus, als ob der Projektleiter mit dem Geld auf „sehr ungewöhnliche Weise umgegangen war“. Außerdem hatte er noch einige hundert Säcke gestohlen. Wir setzten einen neuen Projektleiter ein – einen ganz bürgerlichen mit Krawatte und Auto; aber nach nur einem halben Jahr hatte er schon eine halbe Million veruntreut und die Polizei fand ihn schließlich versteckt unter dem Bett seiner Freundin.

Danach haben wir die Vorschriften so streng verschärft, dass Betrügereien unmöglich wurden  – aber die tägliche Arbeit auch!  Jeder noch so winzige Arbeitsvorgang erforderte die Unterschrift von drei verschiedenen Personen, die meist nicht alle gleichzeitig erreichbar waren. Nach einem Jahr gab der neue Leiter des Projekts entnervt auf – diese Aufgabe war so einfach nicht zu bewältigen. Danach bot uns ein idealistischer junger Mann an, diese Aufgabe zu übernehmen. Er stellte eine Sekretärin ein, die wirklich betrügerische Ambitionen entwickelte. Zu dieser Zeit hatten die Schulden bereits ein Ausmaß erreicht, das uns zwang, das Projekt zu stoppen. Wir empfanden das als wirkliche Katastrophe, nachdem sich so viele Menschen so lange Jahre um dieses Projekt bemüht hatten – und jetzt dieses Ende ! Gutachter aus Nairobi waren mit Ihrer Beurteilung schnell bei der Hand: „Sie hätten die Kontrollen verschärfen sollen“, war ihr Urteil – das war alles, was sie dazu zu sagen hatten.

Experten aus Nairobi halfen uns, einen neuen „Fünf-Jahres-Plan“ zu erstellen; nach dessen Fertigstellung schien er uns aber unausgereift, denn die Bedürfnisse der Gemeinde waren in dem Plan nicht berücksichtigt worden. Also wurde eine umfangreiche wissenschaftliche Einschätzung der Lage zu Beginn dieses Jahres vorgenommen. Als die Resultate im Februar bekannt wurden, schien der Plan beträchtlich von den Anforderungen der Gemeinde abzuweichen. Es ist jetzt unsere Aufgabe, die Bedürfnisse der Gemeinde und den „Fünf-Jahres-Plan“ aufeinander abzustimmen, damit die Arbeit weiter gehen kann.

Viele von Euch werden sich fragen, ob das Pandipieri-Team auch im vergangenen Jahr wieder an den Tagen zwischen Weihnachten zum Camping gewesen ist. Ja klar – dieses Camping verbindet uns und stärkt die Freundschaft. Dieses Mal sind wir mit den alten bekannten Team-Mitgliedern campen gewesen, die auch mit vielen von Euch befreundet sind. Wir waren vier Tage lang im Kakamega-Wald: 15 Erwachsene und 15 Kinder. Am Parkeingang mussten wir Tickets kaufen: 30 x 4 sind 120 Tickets – nur um in den Park zu gelangen. Dann noch weitere 120, um dort zelten zu dürfen. Das sind insgesamt 240 Tickets. Jedes dieser 240 Tickets wurde insgesamt dreimal abgestempelt – also 720 Stempel; dann wurden die 240 Tickets abgerissen (jetzt waren es 480 Teile).
Dabei haben wir hier  noch nicht einmal die Tickets für die Autos mit gezählt! Aber die Tage dort waren wunderbar. Das alte Team fand das Leben dort schwierig; sie lehnten sich zurück und fühlten sich nicht gezwungen, ihren reichen Erfahrungsschatz und ihr Wissen in Arbeit umzusetzen.

Kürzlich haben – für dortige Verhältnisse –  relativ friedliche Wahlen in unserem Nachbarland Uganda statt gefunden. In unserer Zeitung konnte man lesen, dass die Bediensteten eines Gefängnisses in  Arua im Norden Ugandas den Sieg ihres Kandidaten so hemmungslos feierten, dass 400 Häftlinge leise das Gefängnis verlassen und fliehen konnten.

Liebe Freunde – Euch allen viele liebe Grüße und herzlichen Dank für Eure kontinuierliche Unterstützung. Mir selbst geht es soweit ganz gut.

Hans Burgmann

Weihnachten 2005

Liebe Freunde,

Der Abschied von Holland wurde mir schon dadurch leichter gemacht, weil man mich im Flugzeug gleich in die erste Klasse führte – mit Champagner und freundlichen Stewardessen. Eine von ihnen wollte von mir wissen, wie viele Sprachen ich spreche: Ich antwortete: „Eine Hand voll – unsere Dialekte und „Twentish“ aus dem Osten Hollands.“ Aufgeregt erzählte sie mir dann, dass ihr Vater auch aus dem Osten der Niederlande stammt und manchmal etwas zu ihr auf „Twentish“ sage; sie erinnerte sich jetzt an seinen Ausspruch und sprach es mir langsam und deutlich vor. ***** und ***** deiner Mutter *****; sie war sich nicht sicher, wann man diesen Ausspruch anwenden kann. (Ihr könnt Euch ja selbst in Eurer Phantasie ausmalen, was der Spruch bedeutet und es mir privat mitteilen; ich werde jedem von Euch die korrekte Version persönlich zusenden.)

Der neue Aufsichtsrat und das Management stehen vor vielen Problemen, die zum großen Teil ihre Ursache in den kulturellen Unterschieden haben. Weiße Menschen formulieren eine Entscheidung auf Papier – schwarz auf weiß sozusagen – das ist dann nahezu „heilig“, alle müssen sich fügen und alle können die Akten einsehen. Dies macht die Vorgänge demokratisch und transparent.

Die Menschen sind im Prinzip vielleicht sogar einverstanden – aber es gibt viele Dinge „zwischen den Zeilen“ – Andeutungen. Die Kultur hier bei uns misst den Menschen  aber mehr Bedeutung bei als einem Stück Papier. Und dann es gibt da noch etwas anderes: in der Natur basieren alle Beziehungen auf der Kraft, die man hat;  daraus resultierend basieren auch die menschlichen sozialen Beziehungen hier bei uns auf der individuellen Kraft und Macht. Demnach sollten Initiativen immer vom obersten Chef ausgehen. Die Macht und Kraft  einer Person wird dadurch deutlich, wie diese Person ihren Willen durchsetzen kann.

Daraus könnt Ihr ersehen, welche Probleme erwachsen, wenn Kenianer eine höhere Position einnehmen: es gibt viele, die Befehle erteilen, wenig Absprachen und eine nur selektive Umsetzung früherer Entscheidungen. Kürzlich wurde ein neuer Fünf-Jahres-Plan erarbeitet und veröffentlicht. Er gab den europäischen Partnern das Gefühl, dass vieles, was in der Vergangenheit langsam aufgebaut wurde unterminiert wurde – manches hatte sogar den Beigeschmack von versteckten Agendas und Nebenabsprachen zwischen den verschiedenen Interessenvertretern.

Glücklicherweise bieten die gleichen kulturellen Unterschiede auch eine Lösung für solche Probleme. Indem man persönliche Beziehungen auf freundschaftlicher Basis pflegt, sollte auch eine Möglichkeit gegeben sein, alles unter Kontrolle zu halten.

Die wirklich freundschaftlichen  Diskussionen ergaben, dass die neuen Gremien nicht selbstherrlich und  autokratisch arbeiten wollen. Deswegen war es auch so wichtig, dass Henk Cliteur kam: er hat freundschaftlich mit allen  Mitgliedern des Gremiums gesprochen. Ich möchte noch hinzufügen, dass unser Newsletter in diesem Zusammenhang auch eine Rolle spielt, denn er findet seinen Weg zu allen Personen, auch wenn sie  unterschiedlichen Interessen vertreten.

Man kann sagen, dass die aktuellen Entwicklungen vor einer gefährlichen Herausforderung stehen. Aber es sind auch Lehrstunden, von denen wir alle profitieren können. Einerseits bin ich stolz, dass wir dieses Stadium erreicht haben – ein wichtiger Meilenstein in Richtung Zukunft. Der Entwicklungsstand der meisten Projekte ist so gut wie nie zuvor – sie verlieren sich nicht jenseits der Barmherzigkeit. Aber es ist hart, manchmal sogar nervtötend!

Alphonce Lumumba spielt in all diesen Turbulenzen eine Schlüsselrolle; er hat eine schwere Bürde zu tragen. Sein jüngerer Bruder ist an AIDS erkrankt – Endstadium. Seine Lungen kollabieren bereits. Seine Frau starb im vergangenen Jahr und Alphonce kümmert sich um die Kinder der beiden. Er geht täglich ins Krankenhaus, um nach seinem Bruder zu sehen und zahlt die hohen Krankenhausrechnungen. Ich kann nicht verstehen, wie er sich angesichts dieser Belastung noch um die Angelegenheiten von KUAP kümmern kann. Er lässt Euch alle grüßen – bitte denkt an ihn!

Die KUAP Probleme sind auch dadurch größer geworden, weil nicht ein einziges Mitglied des neuen Aufsichtsrates auf frühere Erfahrungen in der Arbeit mit Pandipieri zurück greifen kann. Das war vorhersehbar,  und als die neuen Vorgaben der Regierung ausgearbeitet wurden, wurde den Mitgliedern des alten Pandipieri-Teams ein besonder Status zugewiesen. Sie sollten eine Gruppe von „Wächtern“ bilden, die den alten Geist Pandipieris am Leben erhalten und das bisher Erreichte schützen sollten. Bis jetzt sind diese „Wächter“ aber zu bescheiden gewesen. Wir schätzen durchaus, dass sie dem neuen Aufsichtsrat nicht als eine Art Bedrohung erscheinen wollen. Aber jetzt – wo ich zurück bin, werde ich versuchen, darauf einzuwirken, dass die Arbeit dieser „Wächter“ effizienter wird.

Noch vor Weihnachten werden wir ein schönes Fest für beide feiern – für das neue KUAP Management  und für die „Wächter“; nach Weihnachten werden wir dann ein paar freie Tage in Kakamega Forest verbringen– zusammen mit den alten Teammitglieder – so wie in jedem Jahr!

Wie auch immer die Probleme auch aussehen mögen, es gibt immer viel darüber zu lachen. Laßt mich eine Geschichte über unsere Hühner erzählen:

Vor einiger Zeit kamen wir nach Kisumu zurück – es war am letzten Abhang bei dem Dorf Ojolla, wo wir einen Mann entdeckten, der  am Straßenrand lag; bei ihm ein Fahrrad und eine Tasche Mais. Wir hielten an, um ihm zu helfen. Er war bei voller Geschwindigkeit gestürzt und sein Gesicht war vom Aufprall auf den Asphalt aufgeschürft. Wir nahmen ihn mitsamt seiner Maistasche mit; sein Fahrrad luden wir auf das Autodach.

Als wir im „russischen“ Krankenhaus ankamen, trafen wir zwei unserer Mitarbeiter – was für ein Glück!  Wir baten den einen, auf das Fahrrad und den Mais aufzupassen und den anderen schickten wir zum Haus des verletzten Mannes, um die Familie zu benachrichtigen. Der Mann selbst wurde gleich medizinisch versorgt.

Als wir gehen wollten, rannte uns ein Pfleger nach und schrie: „Ihr könnt doch nicht einfach gehen ! Ihr habt den Mann doch vom Fahrrad gestoßen!“ Wir ignorierten ihn, aber wahrscheinlich hatte er unsere Autonummer. Als wir unsere Mitfahrer nach Hause brachten, warnten uns ihre Verwandten: „ Ihr seht – nehmt niemals jemanden mit, der am Straßenrand liegt; dieser Mann wird Euch vor Gericht ziehen und Schadensersatz von Euch verlangen.“

Wir entschieden uns, zurück zum Krankenhaus zu gehen, um zu sehen, wie es weiter ging. Dort in der Notaufnahme fanden wir unseren Mann – verbunden wie eine Mumie und umgeben von seinen Verwandten. Sie alle klatschten und dankten uns überschwänglich. Der Mann erzählte uns, dass er den Schwestern bereits gesagt habe, wie wir ihn vom Straßenrand aufgehoben hatten. Er war ein Prediger der Pfingstgemeinde und hat in großer Dankbarkeit für uns gebetet. Etwas erleichtert gingen wir nach Hause.

Einige Wochen später kam der gute Mann zu mir nach Hause und brachte mir eine schöne Henne als Zeichen seiner Dankbarkeit. Wir brachten diese Henne zu meinen anderen vierzehn Hühnern in das Hühnerhaus. Aber das neue Huhn war protestantisch und wollte nicht mit unseren katholischen Hühnern im Hühnerhaus schlafen – es verbrachte die Nacht draußen hoch oben auf einem Baum.

Einen Monat später brachen Dieben nachts in unser Hühnerhaus ein; leise hoben sie ein Huhn nach dem anderen auf und trugen sie durch ein Loch im Zaun in ihren dort wartenden Wagen. Aber die Henne auf dem Baum sahen sie nicht – wie war die einzige Überlebende. Von da an hatte diese Henne das ganze Hühnerhaus für sich alleine. Im Laufe der Zeit wurde sie die Mutter einer ganzen Schar von Küken – einer neuen Generation, die besser war als die, die wir zuvor hatten.

Also:  immer anhalten, um denen zu helfen, die am Straßenrand liegen !

Ich wünsche Euch ein schönes Weihnachtsfest,

Hans Burgmann

Sommer 2005

Liebe Freunde,

Eine gute alte Freundin von mir ist gestorben. Obwohl sie eine alte Witwe war, steckte sie voller Überraschungen. Sie gehörte zu einer kleinen Stammesgemeinschaft und hatte einen Europäer geheiratet, der während der Kolonialzeit eine bedeutende Stellung in Kisumu hatte. Diese Frau hatte zwei Töchter – die später sogar zur Miss Kisumu gewählt wurden und auch Lektoren in unserer Gemeindekirche waren.

Es ging ihnen gut – obwohl diese Frau eine Muslim war, gönnte sie sich hin und wieder eine Erfrischung mit einem kühlen Bier. Das Klima Kisumus bedingt, dass man sich eine solche Erfrischung öfters gönnen sollte. Als ihr Seelsorger besuchte ich sie regelmäßig. Ihre englischen Sprachkenntnisse waren sehr beschränkt; manchmal ging unsere Unterhaltung nicht darüber hinaus, wie man sich am besten mit einem  kühlen Bier erfrischen könnte: „Hier ist etwas für deine Gesundheit“, oder „Prost“, „Laß uns noch eins trinken“ oder auch „Have one for the road – noch ein Bier für den Weg“. Wie auch immer – irgendwann entschied sie, sich taufen zu lassen. Sie war eine von zwei muslimischen Frauen, die ich in meinem Leben getauft habe – und zwar ohne jegliche Einflussnahme meinerseits. Sie wurde zu einer regelmäßigen Kirchgängerin, und wenn wir uns während einer Prozession sahen, winkten wir uns zu. Später wurde diese Frau sehr krank und musste häufig zum Arzt gebracht werden. Eines Tages – als ihre Kinder sie in das Auto setzten, um sie zum Arzt zu fahren, sagte sie: „Dies ist meine letzte Reise“. Als der Wagen an unserer Kirche vorbeifuhr, tat sie ihren letzten Atemzug; ich möchte mir gerne vorstellen, dass sie mir im Vorbeifahren ein letztes  Mal winkte.

Es war ihr ausdrücklicher Wunsch, neben ihrem vor mehr als 30 Jahren gestorbenen Ehemann begraben zu werden. Sein Grab war noch da, aber den Friedhof an sich gab es nicht mehr, weil die Stadtverwaltung Kisumus ein neues Friedhofsgebiet ausgewiesen und damit den alten Friedhof geschlossen hatte, ihn – um genau zu sein – allen zugänglich gemacht hatte, indem die Einfriedung des alten Friedhofs abgerissen wurde. Seitdem trieben sich Leute sich auf diesem alten Friedhofsgelände herum, um Mais zu pflanzen.

Die Stadtverwaltung verweigerte der Familie die Zustimmung, die Mutter neben dem Ehemann zu begraben – aber die Töchter dachten sich einen klugen Plan aus: Sie brachten das Oberhaupt der örtlichen Hindugemeinde dazu, die sterblichen Überreste der Mutter im Krematorium der Hindus zu verbrennen. Danach wollten sie die Asche der Mutter aufsammeln, ein Loch in das Grab des Vaters graben und dort die Asche der Mutter begraben. Aber am Abend vor dem Begräbnis gab die Stadtverwaltung doch noch nach und erlaubte die Beisetzung der Mutter in einem neuen Grab. Es war eine schöne Begräbniszeremonie – mit all den Frauen, die Feuerholz sammelten und den vielen Kindern, die dort – andächtig kniend – spielten. Ich gab meiner alten Freundin noch  einen ordentlichen Spritzer Weihwasser zusätzlich mit auf den Weg  –  „one for the road“!

Als wir gingen, war das Grab ein farbenprächtiger Hügel aus Blumen. Für einige Tage engagierten die Töchter einen Grabwächter – weniger wegen der vielen Blumen, sondern mehr wegen des Sarges. Oft kommen Grabräuber in der Nacht nach der Beerdigung und öffnen das Grab wieder. Sie öffnen den Sarg, werfen den Leichnam einfach in die Graböffnung, nehmen den nagelneuen Sarg, putzen ihn schön mit Fichtengrün heraus und verkaufen ihn wieder.

Es gibt noch mehr Neuigkeiten: Einige Tage nach dieser Beerdigung, spürte ich entsetzliche Schmerzen in der Leistengegend – dort, wo man mir im Jahr 1991 meine erste künstliche Hüfte eingesetzt hatte. Die Ärzte hier in Kisumu sagten, dass wohl etwas gebrochen sei und eine sofortige Operation erforderlich ist. Man brachte mich ins Flugzeug – einer, der es gut mir meint, gab mir sogar ein Ticket für die Erste Klasse – und man brachte mich in das Sanatorium nach Oosterbeek/Holland. Der orthopädische Chirurg ließ mich röntgen und stellte fest, dass nichts gebrochen war. Nun macht man hier ausführliche Tests mit mir, um fest zu stellen, was diese Schmerzen verursacht haben könnte. Die Schmerzen lassen etwas nach, wenn ich auf Krücken gehe. Alles in allem, ist das aber auch ein Fingerzeig Gottes: Auf diese Weise habe ich die Möglichkeit, viele meiner Freunde wieder zu treffen, die ich lange vernachlässigt habe. Wer auch immer sich von mir vernachlässigt fühlt, kann mich hier in Holland unter 026 33 98 243 oder 06 3029 8613 anrufen oder mich unter
meiner derzeitigen Adresse in Johannahoeve 2, 6861 WJ Oosterbeek / Holland erreichen. Ich werde dann sehen, was ich tun kann.

Viele Grüße und ganz herzlichen Dank an Euch alle für Eure beständige Hilfe und Unterstützung bei der Entwicklung Pandipieris.

Hans Burgmann

Erfolge 2005

Erfolge in Pandipieri 2005

Ca. 100 Straßenkindern konnten wir helfen, zu ihren Familien zurück zu kehren.

Ca. 250 Patienten kamen zu uns die Klinik und baten um Rat und Hilfe.

Ca. 50 AIDS-Patienten haben wir beigestanden, als sie starben.

Ca. 400 AIDS-Patienten konnten mit unserer Hilfe ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Ca. 1000 Familien wurden über den Umgang mit Babys unterrichtet und erhielten Babynahrung von uns.

Viele Haushalte/Familien und die Gemeinde Pandipieri konnten mit Eurer Hilfe finanziell unterstützt werden.

Ca. 40 junge Frauen erhielten eine individuelle Ausbildung.

Ca. 170 Kinder besuchten unseren Kindergarten.

Ca. 50 Schüler besuchten unsere Schule in Pandipieri.

Unsere kleinen Betriebe in Pandipieri haben gelernt, effizienter zu wirtschaften.

Ca. 80 – 100 Arbeiter erhielten einen ordentlichen Monatslohn für ihre Arbeit in den kleinen Betrieben Pandipieris.

Danke!

Ostern 2005

Liebe Freunde,

aus der Bibel wissen wir, dass die alten Juden ein ausgeklügeltes System hatten, wie sie sich ihrer Missetaten entledigen konnten: die Sündenbock-Zeremonie. Hier bei uns ist dies auch üblich: Die Menschen machen andere Personen für die eigenen Vergehen verantwortlich. Diese Person wird damit zum Schuldigen und man selbst ist seine eigene Schuld los. Es gibt sogar eine alte Luo-Version dieses Sündenbock-Prinzips: Wenn früher jemand ernsthaft erkrankt war, behauptet man, diese Krankheit sei durch die Gegenwart eines bösen Geistes hervorgerufen worden. Der Kranke konnte dann ein Schaf nehmen, ihm teilweise  die Haut abziehen, den bösen Geist in dieses Schaf „senden“ und das Schaf weg bringen. An der Stelle, wo das arme Schaf dann starb, suchte sich – der Überlieferung nach – der böse Geist ein neues Heim in einem der Menschen, die gerade in Nähe waren.

Heute wird dieser grausame Brauch nicht mehr praktiziert – aber es gibt sozusagen einen „Nachfolger“ dieser Tradition. Sagen wir – jemand hat Schmerzen in seinem Bein; er kann eine Münze nehmen, mit ihr über die schmerzende Stelle streichen und die Schmerzen gehen in die Münze über – dann legt er die Münze auf einen Weg. Derjenige, der diese Münze aufhebt, nimmt mit dieser Münze auch den Schmerz auf sich. Wäre das nicht eine attraktive Alternative zu den herkömmlichen Heilmethoden? Auf jeden Fall ist es einen Versuch wert!

Heilung durch Gebete ist  weit verbreitet. Aber es gibt auch Gebete, die das Geld vervielfachen. Auf dem Markt oder an der Bushaltestelle zum Beispiel treffen Sie auf jemanden, der Ihnen versichert, dass er Ihr Geld verdoppeln kann. Wenn Sie ihm – sagen wir 10.000 Schilling – geben, rollt er diese in ein Stück Papier ein und betet ein bedeutungsvolles und magisches Gebet; dann gibt er Ihnen das Päckchen mit der glücklichen Nachricht zurück, dass die 10.000 Schillinge nun in 20.000 Schillinge verwandelt wurden. Was er Ihnen noch mit auf den Weg gibt, ist die ernsthafte Warnung, dass Sie dieses Päckchen erst dann öffnen dürfen, wenn Sie zuhause sind – wenn Sie es früher öffnen, wirkt das Gebet nicht. Aber oh weh! Wenn der arme Besitzer der 10.000 Schillinge dann zuhause angekommen ist und das Papierröllchen öffnet, findet er leider nur Papierschnipsel in dem Päckchen. Man ist erstaunt, dass immer wieder Menschen auf diesen Trick hereinfallen  – aber ständig liest man in den Zeitungen, dass wieder jemand auf diese Weise sein Geld verloren hat.
Vor einigen Wochen erfuhr ich, dass einer meiner Priesterkollegen für einige Jahre von seinem Dienst suspendiert wurde. Ich fragte mich, was er Schlechtes getan haben könnte. Er hatte 300.000 Schilling Spendengelder an sich genommen und hatte genau das getan, was ich oben beschrieben habe – er wollte diese Spendengelder verdoppeln und hatte alles verloren. So war es also auch ihm passiert – was kann man mit einem solchen Mann tun? Zudem er auch noch so jung ist?

Was mich betrifft – so bin ich am 31. Dezember 2004 hierher zurück gekommen; ich brauchte einen ganzen Monat, um meine Rückstände aufzuarbeiten. Diese Zeit benötigte ich aber auch, um all die schönen Erinnerungen der letzten Monate zu verdauen – Erinnerungen an eine Zeit, in denen ich so viele von Euch treffen konnte. Wie ich höre, hat Euch der Winter noch im Griff; vielleicht freut es Euch zu hören, dass die Temperaturen an einem schattigen Nachmittag hier im Moment bei + 35 °C und darüber liegen.

Um uns kümmert sich hier ein Koch, der – obwohl er weder schreiben noch lesen kann – ein wahrhaft exzellenter Küchenmeister ist; man kann ihn gar nicht genug loben! Wir sind hier zu zweit – Gerry Mooij und ich – aber John, unser Koch, weiß niemals genau, wie viel er vorbereiten muß. Um immer gut vorbereitet zu sein, kocht er immense Mengen – immer viel zuviel! Sein Arm ist gelähmt – deshalb lässt er oftmals Dinge fallen; aber weil er ja immer so viel zuviel kocht, bleibt für uns immer noch jede Menge zu essen übrig. Wie Ihr seht, meint es das Glück auch in diesem Fall gut mit uns –  auf eine etwas außergewöhnliche aber wunderbare Weise.
Liebe Freunde, ich wünsche alles Liebe und Gute; hoffentlich begleiten Euch Glück und Vorsehung auch auf so wunderbare Weise wie mich.                                   

Hans Burgmann

Weihnachten 2004

Meine lieben Freunde,

seit dem 1. September bin ich nun schon in Holland. Durch die kenianische Sonne erkrankte ich an Hautkrebs im Bereich des Kinns. Anfang Oktober wurde ich von einem Chirurgen operiert; er hat mir natürlich auch ein Face-lifting verpasst – ich sehe jetzt besser als vorher aus! Um alle Krebszellen zu zerstören, erhielt ich nach der Operationen 20 Chemotherapien. Die Menschen hier in meiner Heimatgemeinde St. Lambertus haben mich während dieser Zeit sehr unterstützt. Ich hatte auch die Gelegenheit, einige schöne Reisen zu unternehmen – z.B. nach Nordfrankreich. Dort hat mich zuerst beeindruckt, dass viel weniger Menschen mit grauen Haaren in der Kirche sind; aber dann ist mir gedämmert, dass sich hier fast alle die Haare färben.

Immer wieder werde ich nach Einzelheiten über die derzeitige Situation in Pandipieri gefragt; also gebe ich Euch nun einen kurzen Lagebericht über die neue Situation vor Ort:

Wir haben fünf verschiedene Abteilungen gebildet; alle unsere Projekte wurden auf die folgenden fünf Abteilungen,die wir Departments nennen, verteilt:

Gesundheit – Straßenkinder – Erziehung – Geschäft – Verwaltung

Fast alle unsere Projekte  werden jetzt  von Einheimischen geleitet; die Organisation ist wie folgt strukturiert:

– Manager
Alphonce Lumumba,
der sich in unserem letzten Freundesbrief vorgestellt hat. Er ist jung, kommt aus Kisumu und ist mit unseren Programmen aufgewachsen. Er ist sehr kompetent und auf der ganzen Welt herum gekommen. In seiner Arbeit wird er von den Leitern der oben genannten fünf Departments unterstützt; außerdem helfen ihm noch fünf Delegierte, die in den Kommunalwahlen gewählt wurden.

–  Verwaltungsrat
Präsident ist Msgr. John Oballa; auch er hat sich im letzten Freundesbrief vorgestellt. Er ist – nach dem Erzbischof der ranghöchste Priester in der Diözese, äußerst kompetent und sehr an dem städtischen Apostolat interessiert. Vizepräsident des Rates ist Pater Michael Corcoran aus Irland – Leiter der Mill Hill Mission in Ostafrika.

Fünf weitere Mitglieder repräsentieren die fünf verschiedenen Departments – gewählt von den Gemeinden Kisumus; an ihrer Seite arbeiten ein Finanzexperte, ein Rechtsexperte und ein Experte für die Mission (das bin ich). Alphonce Lumumba ist der Sekretär dieses Rates (ohne Stimmrecht).

– Beratungsgremium
Es besteht aus all den früheren Mitgliedern des alten Pandipieri Teams.
All das sollte wie Musik in Euren Ohren klingen; denn es bedeutet, dass praktisch die Gesamtleitung von Pandipieri nun in den Händen von Einheimischen Kenianern liegt – und zwar in den besten Händen, auf die wir hoffen konnten. Es bleibt noch, die Verbindung und Kommunikation zwischen ihnen und den Mitarbeitern in Übersee zu stärken; das sind Hunderte von alten Freunden und einige Stiftungen in Holland, England, Deutschland und in den Vereinigten Staaten.

Wie gut alles organisiert ist, zeigt auch die Zahl der vielen Besucher. Pater Gerry Mooij erzählte mir von allein zehn Besuchern im Monat November – alle von Ihnen zeigten großes Interesse  an der örtlichen Kultur und auch daran, ihren Beitrag innerhalb der Organisation zu leisten. Natürlich kann die Sprache in manchen Fällen auch Probleme mit sich bringen: Anfang Juli z.B. besuchte uns eine Frau; sie ging zum Friseur und machte deutlich, dass sie die Haare um einen Zoll gekürzt haben wollte; als sie den Salon verließ, waren Ihre Haare gerade noch ein Zoll lang!

Soeben habe ich leider eine schlechte Nachricht erhalten: Vor einigen Tagen wurde die Savings Bank von Pandipieri unter der Leitung von Kizito von  bewaffneten Räubern überfallen – und das am hellen Tag! Es wurden 2000 Euro geraubt – eine wirkliche Katastrophe.

Am 30. Dezember werde ich zurück nach Kisumu fliegen; während meines Aufenthaltes hier in Holland passierten einige schreckliche Dinge: z.B. der Mord an einem sehr provokativen Schriftsteller durch einen fanatischen Islamisten. Dieser Umbruch hier in Holland gab mir das Gefühl, dass wir in Kisumi genau das Richtige tun: Brücken bauen zwischen Menschen verschiedener Kulturen – langsam, respektvoll und indem einer vom anderen lernt; ich glaube, dass diese gemeinsame Erfahrung der Weg in eine neue Welt ist – die Vision einer gegenseitigen Bereicherung.

Möge uns das Weihnachtsfest lehren, uns wieder auf die ursprüngliche Bedeutung von Weihnachten zu besinnen:

FRIEDEN  AUF  ERDEN  ALLEN , DIE GUTEN WILLENS SIND.

Hans Burgmann

Sommer 2004

Liebe Freunde,

das große Fest am 13. März war ein riesiger Erfolg – es war in jeder Hinsicht eine doppelte Feier:  das silberne Jubiläum unser Arbeit in den Wellblechhütten von Pandipieri aber auch die Übergabe des alten Vorstandes an die neuen Vorstandsmitglieder. Ein paar Wochen vor dem Fest hatten wir eine Krise: Alphonce Lumumba, auf dessen Schultern die Last der umfangreichen Festvorbereitungen lastete, verletzte sich am Knie – etwas war gebrochen und gerissen, sodass er im Bett liegen musste. Wir taten alles, um die Situation zu retten und alles verlief in geordneten Bahnen – das meiste zumindest. Die Heilige Messe wurde unter freiem Himmel gefeiert – jenseits des Baches, an dem  Pandipieri liegt. Die feierliche Prozession schlängelte sich wie ein Wurm über die kleine, wacklige Brücke  – durch einen Laden hindurch, wo Fahrräder repariert werden.

Mittelpunkt des Festes waren natürlich die Präsentation unserer Programme und ein gemeinsames Essen. Alles in allem ein wirklich beeindruckendes Fest, zu dem wir auch den Segen des Erzbischofs erhielten.

Die Übergabe unseres Mandats wurde mit einer netten Geste symbolisiert – mit Kerzen und kleinen – mit Salz gefüllten – Täschchen. Zur Kollekte brachten die alten Vorstandsmitglieder ihre Kerzen  (Ihr seid das Licht der Welt) und das Salz (Ihr seid das Salz der Erde) zum Bischof zurück; am  Ende der Heiligen Messe übergab der Bischof diese Kerzen und die Salztäschchen dann an die neuen Vorstandsmitglieder. Die alten Vorstandsmitglieder werden den päpstlichen Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“ erhalten.

Am Tag zuvor gab es Feiern in allen sieben Zentren – mit Geschichten über die Entstehung und Entwicklung, Unterhaltung und einem Essen für die Armen. Alles verlief sehr erfolgreich – der finanzielle Aspekt eingeschlossen. Ich möchte meinen besonderen Dank all denen aussprechen, die uns anlässlich dieses Festes  mit einem „kleinen Extra“ unterstützt haben.

Unsere holländische Stiftung war durch Schwester Martinia und Henk Cliteur vertreten.

Eine neue Ära ist angebrochen; der Übergang ist fließend – alles in allem eine Herausforderung. Nur zwei der neuen Vorstandsmitglieder sind schon länger mit Pandipieri verbunden; die meisten sind Delegierte ihrer jeweiligen Gemeinden; aber ein jeder von ihnen ist  eine Kapazität – sowohl in seiner Persönlichkeit als auch beruflich. Das ist wirklich ein Segen. Auf der anderen Seite fällt es solchen Persönlichkeiten auch manchmal schwer, sich anzupassen. Kürzlich besuchte ich – zusammen mit Margriet ten Brummelaar – die meisten von ihnen, um persönliche Beziehungen herzustellen und zu pflegen; die  Besuche haben Margriet und mir Mut gemacht. Diese Erfahrung wird Margriet, die ja jetzt Vorsitzende der Holländischen Stiftung ist, eine wertvolle und effektive Unterstützung  sein: Sie kennt jetzt die Gesichter, die zu den Namen gehören, und diese kennen (und mögen) Margriet. Zwei der neuen Vorstandsmitglieder haben versprochen, regelmäßig einen kleinen schriftlichen Beitrag  zu dem Freundesbrief zu  leisten: der Vorsitzende Pater John Oballa und Manager Alphonce Lumumba.

Unsere Programme entwickeln sich gut; das Gesundheitsprogramm hofft auf viel versprechende Kontakte zu einem großen Kinderkrankenhaus in Pittsburg/USA. Unter den jetzigen Studenten sind einige richtige Künstler; diese Woche hörte ich, dass zwei ehemalige Studenten hervorragende Jobs erhalten haben: einer dieser Studenten arbeitet jetzt als Kunstlehrer in einer großen Schule und die andere Studentin ist Graphikerin in einem großen Unternehmen. Mehr als vierzig unserer Haushaltsschülerinnen haben schon Kontakt zu Hotels, Restaurants und Gasthöfen in der Stadt.

Ein anderes – ernstes – Thema:
Immer wieder werden wir daran erinnert, wie schwierig es hier für die Menschen ist,  schlechte und schädliche kulturelle Praktiken und Bräuche abzuschütteln. Zu nennen ist da vor allem der Brauch,  die Witwe seines Bruders zu „erben“ – ein absolut tödlicher Brauch, wenn AIDS mit im Spiel ist. Aktueller Fall ist eine junge Witwe, deren Mann vor nicht langer Zeit an AIDS starb; auch die junge Frau war bereits infiziert. Sie hatte den Mut und weigerte sich, an den Bruder ihres toten Mannes „vererbt“ zu werden. Man könnte denken, dass ihr die Familie dankbar dafür sein sollte, dass sie sich weigerte, die tödliche Infektion in der Familie weiter zu tragen – aber nein! Nun ist die junge Frau gestorben und die Familie ihres Mannes, die die Pflicht hätte, sie zu beerdigen, weigert sich aus eben diesem Grunde, sich um die Beerdigung zu kümmern.

Manche Missgeschicke entbehren nicht einer gewissen Komik. Vor einiger Zeit wurde ein Bus im Norden des Landes aus dem Hinterhalt überfallen. Die Banditen nahmen den Passagieren alles – einschließlich aller Kleider, die die Menschen im Bus trugen. So kam es, dass ein paar Stunden später ein Bus – besetzt mit völlig unbekleideten Passagieren – in Kitale ankam. Mengen an Kleider wurden durch die Fenster in das Innere des Busses gereicht, bevor die Reisenden den Bus verlassen konnten.

Wenn wir schon bei Räubern sind – hier ist noch eine Geschichte:  An einem schönen Montagmorgen wurde die Sonntagskollekte im Büro einer Gemeinde gezählt. Diese  wirklich verantwortungsvolle Aufgabe lag in den Händen von Mitgliedern des Kirchenvorstandes. Plötzlich stürmte eine Horde Diebe in den Raum. Sie rafften das Geld zusammen und ließen es in einer Tasche verschwinden. Und dann überprüften Sie noch die Brusttaschen der zählenden Beamten – wo sie natürlich noch ein paar Tausender fanden. Die Diebe zeigten den Mitgliedern des Kirchenvorstands erst einmal, was eine Harke ist und erklärten ihnen, wie schlecht es ist,  als Kirchenvorstand dieses Geld zu stibitzen. Von dem Kirchenvorstand darauf hingewiesen, dass sie ja auch nicht besser seien, antworteten die Räuber: „Wir brauchen dieses Geld ganz dringend und wir haben hart dafür gearbeitet, es zu bekommen. Außerdem werden wir das gestohlene Geld zurückgeben – nach und nach, Stück für Stück in der Sonntagskollekte.“
Viele Grüße und bis zum nächsten Mal.

Hans Burgmann